Tags: Medien, NahverkehrAls ein Mensch, der nicht im Besitz eines Fortbewegungsmittel ist, welches unter den Aspekt Individualverkehr fällt ist man durchaus mehr oder minder stark auf den öffentlichen Personennahverkehr angewiesen. In Hamm ist es seit Jahren gang und gäbe, daß pünktlich zum 1. August jeden Jahres der Preis für die Benutzung der Bus-Linien um ehemals 10 Pfenning, jetzt 5 Cents angehoben wird. Gleichzeitig scheint die Reduzierung des Service von Seiten der Stadtwerke einherzugehen. Jedes Jahr auf’s Neue wird man bei der Lektüre des neuen Fahrplans von den Betreibern überrascht. Dieses Jahr liest sich die Umgestaltung des Bus-Fahrplans für Bewohner des Hammer Ostens wie ein Meisterwerk des Horror-Autors Stephen King.
Seit ich denken kann und vor allem seit ich selber auf die Benutzung von Bussen angewiesen bin war die Linie 20 ein stetiger Begleiter und aus dem Ortsbild von Braam-Ostwennemar nicht wegzudenken. Im Kreis um das Haus in dem ich wohne fuhr diese Linie im Stundentakt Haltestellen auf ihrem Weg in die Stadt an. Vielleicht hat grade dieser Aspekt mich zu sehr verwöhnt und dem ÖPNV einen letzten verblieben Stein im Brett beschert. Ab dem 22. August 2005 wird diese Linie 20 nun eingestellt. Das man so etwas erst 6 Tage bevor der neue Fahrplan in Kraft tritt aus den Nachrichten des lokalen Radiosender erfährt empfinde ich dabei als eine hochgradige Unverschämtheit den Bürgern gegenüber. Auch in der lokalen Tageszeitung muß ich vermutlich jedwedes Announcement übersehn haben.
So war diese Nachricht ein doch etwas schwer zu verdauender Schock für mich, der sich erst nach und nach beim Studium des neuen Bus-Fahrplans legte. Durch die Streichung der Linie 20 erfuhr die Linie 6 eine umfangreiche Änderung der Streckenführung: Sie fährt, abgesehn von dem Kreis um unser Haus, jetzt fast die gleichen Haltestellen an, wie ehemals die Linie 20. Die meisten werden sich an dieser Stelle das gleiche Fragen, wie ich mich. Nämlich: “Hä?“. Warum streicht man dann eigentlich nicht die Linie 6 aus dem Fahrplan sondern verwirrt jeden Fahrgast, der diese beiden Linien frequentiert hat?
Dies wird wohl allgemein ein Geheimnis der Stadtwerke Hamm bleiben. Vielleicht hat es etwas damit zu tun, daß die Linie 6 von Bussen der Stadtwerke befahren wurde und die Linie 20 mit Bussen des Busunternehmens BILS, aber vermutlich wird diese Frage auf Jahre hinaus ungelöst bleiben. 
Wäre dies die einzige, für mich relevante Änderung des kommenden Fahrplans würde ich sicherlich hier keinen Roman schreiben. Nein, auch zwei weitere Buslinie, die in für mich durchaus erreichbarer Nähe um meine Wohnung fuhren wurden erheblichen Änderungen unterworfen: Fangen wir dabei mit der nostalgischen Linie 28 an, die vor Jahren ihren alten Namen Linie 528 aus nicht ersichtlichen Gründen in eben Linie 28 ändern mußte. Stets fuhr die Linie den Ortskern Braam an. Dabei wurde vor allem auch die Dorf-Hauptstraße von Ostwennemar, die “Soester Straße” angefahren. Insbesondere durch die Zusammenlegung mit der Linie 20 konnte man so in den Abendstunden zentral vom Ortskern bis etwa 22 Uhr die Innenstadt erreichen. Warum nun, grade auf den Weg in die Innenstadt die Streckenführung geändert wurde und dabei auf die Streckenführung der baldigen Linie 6 (keine Panik, ich blick’s langsam auch nich mehr) zurück gegriffen wird, bleibt ebenfalls nicht ersichtlich.
Auch dieser Punkt ist für mich noch einfach zu verschmerzen, immerhin hält die Linie nun deutlich näher als bisher. Aber ich frage mich, wem man denn von der doch deutlich älteren Bevölkerung in Ostwennemar zumuten möchte erstmal einen Wandertag durch’s gesamte Dorf anzutreten, bis er in den Abendstunden eine Haltestelle erreicht, die auch noch angefahren wird?
Ganz davon abgesehn, das die Linie 6 am Ortsteil Braam gekonnt vorbeifährt und dieser nur durch unsägliche Taxi-Buslinien angefahren wird. Das die Linie 28 mittlerweile gar nichts mehr mit Braam zu tun hat brauche ich wohl nicht extra erwähnen… Haben die fast 1000 Einwohner von Braam eigentlich kein Anrecht auf einen regelmäßigen Fahrplan von öffentlichen Nahverkehrsmitteln? 
Zu guter Letzt sprechen wir noch die Linie 33 an. Vor gar nicht allzu langer Zeit trug auch diese Linie eine 5 im Namen (Linie 533) und zeichnete sich damit als überregionale Linie aus, die wie die 528 (bis Dinker, Kreis Soest) über die Stadtgrenze hinaus (nach Vellinghause, Kreis Soest) fuhr. Mit dem neuen Fahrplan schafft es die Linie 33 erfreulicherweise wieder regelmäßig bis nach Hamm-Uentrop (was bisher nur alle 2 Stunden einmal der Fall war). Warum aber die Streckenführung jetzt der, der bisherigen Linie 6 bis auf gewisse Teile stark ähnelt wundert doch entschieden. Daraus resultiert: Die Buslinie hält im Gegensatz zu früher nicht mehr bei mir in unmittelbare Nähe.
Somit wurde ich um eine Buslinie im Gesamten beraubt, muß mich mit unverständlichen neuen Linienführungen und Abfahrzeiten herumschlagen und frage mich, warum scheinbar gewisse Wohngegenden (Braam, Neubaugebiet zwischen Mark und Werries, Ortskern Ostwennemar, Uentrop, ..) scheinbar keine richtige Akzeptanz in den Busfahrplänen finden. Das Ganze einhergegend mit der Preiserhöhung ist ein schwer auszulöffelndes Süppchen für den geneigten Nutzer des ÖPNVs.
Wäre es denn nicht einfacher gewesen, die Linie 20 beizubehalten? Die Linie 28 um ein paar Haltestellen zu erweitern, die Linie 33 auf der bisherigen Streckenführung nun stündlich nach Uentrop durchfahren zu lassen? Aber das hätte vermutlich etwas mit Kundenfreundlichkeit zu tun und sowas kann im Nahverkehr nun wirklich nicht berücksichtigt werden. Jahr für Jahr ziehen die Verkehrsbetriebe die Preise an und stellen den Kunden ein ums andere mal vor Änderungen die oftmals zum Nachteil gestaltet werden: Wer bitte bekommt da “Lust” darauf, dem Individualverkehr adieu zu sagen und mit Freude in die Busse zu steigen?
Übrigens, das eine Fahrt einen Aufschlag um 5 Cents bekommen hat, das Vierer-Ticket dabei aber um 50 Cents teurer geworden ist, bedarf doch keiner extra Erwähnung, oder?


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