
Tags:
Deutschland,
Fußball,
Medien,
Rudelbildung,
WM 2006Ein sehr beschränkter Blick auf einen Teil der Medien zum Freundschaftsspiel gegen Japan gestern Abend in Leverkusen:
Klinsi, diese Schlappwehr macht nur die Gegner froh
tituliert, wie nicht anders zu erwarten, die BILD in ihrer Online-Ausgabe. Zitierenswert erscheinen mir die Kommentare
der Zitter-Kick gegen Japan – ein Dämpfer für viele hochfliegende WM-Hoffnungen…
oder auch
Die Japaner deckten gnadenlos auf, wo’s noch fehlt.
Wir haben keine Abwehr, wir haben eine Schlappwehr! Die macht nur unsere Gegner froh.
Nun ja, nicht wirklich besonders neu, was die BILD-Zeitung zu berichten weiß. Eigentlich nur ganz gut, daß immerhin am Ende ein Unentschieden dabei raus sprang. Wer weiß, zu welchen Aussagen sich die Redakteure noch hätten hinreißen lassen können. Manch einer mag denken: “Ist eben die BILD-Zeitung, die eh im Clinch mit Bundes-Klinsi liegt”. Weit gefehlt, auch Spiegel Online wußte zu berichten:
Vor allem die Abwehr offenbarte noch immer Schwächen.
Nach der Abwehrleistung gegen Italien irgendwann Anfang des Jahres, oder während des Confed-Cups 2005, oder in den Testspielen u.a. gegen die Türkei sah das übrigens ziemlich ähnlich in der deutschen Hintermannschaft aus. Wie wußte der ARD-Kommentator zu berichte, es war die 22te Abwerhrformation im 26ten Länderspiel unter Klinsmann.
Da war ein Japaner (Naohiro Takahara) mit einem Bundesliga-Saisontor plötzlich zu einem “gefährlichen Stürmer” geworden (..) Zum anderen waren auch hanebüchene Fehler in der deutschen Hintermannschaft zu beobachten. Man müsste wohl sogar von einer Blamage sprechen, wären da nicht diese letzten 15 Minuten der Partie gewesen
.. in denen aus dem Desaster ein “Desasterchen” wurde. Ja, diese, wie u.a. auch Fooligan schon schrieb, Gegner, die so ein Testspiel ernst nehmen. Da frag ich mich doch ein wenig, was die Medien erwarten? Nur weil wir durch die WM-Euphorie ein gewisses “Wir sind wieder wer“-Gefühl nach außen tragen muß das doch noch lange nicht heißen, daß wir den ansehnlichen Fußball der Brasilianer mit der Konsequenz der Argentinier und der Zielstrebigkeit der Engländer gepaart mit der konsequenten Abwehrarbeit der Italiener verbinden und nun den weltbesten Fußball spielen
Schweinsteiger rettet Remis
tituliert Kicker Online zu dem Spiel. Gut, er mag das Resultat gerettet haben, aber was bleibt unterm Strich? Laut Kicker eine
mäßige(n) Vorstellung
Denn,
Gegen die flinken und leichtfüßigen Japaner war die müde wirkende Klinsmann-Elf oft in der Abwehr überfordert und konnte auch in der Offensive nur wenig Akzente setzen.
Das solche Aspekte wie die Vorbereitung in Genf, die abgelaufene Saison und der von mir angesprochenen Aspekt des Ausschalten der Offensive zum Teil vernachlässigt wird ist eher unwichtig. Einen Gegner wie Japan – FIFA Weltrangliste Mai 2006 – auf Platz 18 der immer wieder kritisierten Weltrangliste, einen Platz vor Deutschland übrigens, haut man wech.
Wir sind aber noch lange nicht wieder die Nummer eins der Welt, wir sind derzeit ein wenig glücklich Vize-Weltmeister und haben mit der aktuellen Mannschaft den Leistungszenit in meinen Augen noch lange nicht erreicht (was btw Hoffnung für 2010 gibt
). Aber, die Euphorie im Land scheint vielleicht auch bei den Medien entsprechende Erwartungshaltungen zu schüren. Wie sagte einst ein großer Trainer:
Wichtig is’ auf’m Platz
und
Nach dem Spiel is’ vor dem Spiel
letztlich
zählt nur, was unter’m Strich rauskommt
.. und das Zählen beginnt eigentlich ja erst in neun Tagen. Wenn das Team bei der WM groß in Fahrt kommt, dann interessiert einen weder das Ergebnis noch die Schelte nach dem gestrigen Testspiel gegen Japan. Dann hat “Klinsi” alles richtig gemacht. Wenn Deutschland nach der Vorrunde die Segel streicht, dann kräht übrigens auch kein Hahn nach dem Testspiel gegen Japan. Dann sind viele damit beschäftigt des Bundestrainers’ Auswahl an Spielern zu kritisieren. Das dieses Spiel trotz allem nicht so schlecht war, wie es derzeit wieder gemacht wird, sondern nur wieder – wie einst Rudi Völler analysierte
das dauernde Gerede vom erreichten Tiefpunkt, dann noch mal einem. Und dann noch einem niedrigeren Tiefpunkt.
beginnt, ist da aber irrelevant. Wir sind nämlich wer – das wissen die Fans – und weil die Fans das wissen, müssen die Medien ein wenig die Euphorie bremsen. Nur ehrlich, ich glaube, die Fans hauen die Mannschaft weniger in die Pfanne, sondern stehen auch bei einem 0:2 (entgegen Herrn Simons Theorie) auch hinter der Mannschaft und wissen, das der Weg das Ziel ist.