Deutschland – Polen [WM]
Fußball, Nationalelf, WM 2006
Tags: Deutschland, Fußball, Länderspiel, WM 2006Spät, aber die Nachberichterstattung zum Spiel Deutschland gegen Polen von gestern Abend kommt doch noch. Diesmal werde ich mich im Vorfeld nicht über den Kommentator auslassen, da in der gesamten Anspannung und acht weiteren Menschen um mich herum einfach kaum Platz für das Gequatsche von Steffen Simon in meinem Gehörgang war. Vielleicht war das auch ganz gut, denn das Spiel alleine hat mir schon wieder dutzende von grauen Haaren verschafft, da brauchte ich wirklich keinen inkompetenten Laberkopp. Aber, halt, doch: Kurz um den Anpfiff herum vernahm ich ihn, den Herrn Simon. Er quatschte ohne Punkt und Komma und er quatschte und quatschte. Glücklicherweise lenkte mich irgendwas ab, so das ich dem Gequatsche entkommen konnte
Statistisches
Deutschland:
1 Lehmann – 3 Friedrich (63. 22 Odonkor), 17 Mertesacker, 21 Metzelder, 16 Lahm – 8 Frings, 19 Schneider, 7 Schweinsteiger (77. 18 Borowski), 13 Ballack – 11 Klose, 20 Podolski (70. 10 Neuville)
Polen:
Boruc – Baszczynski, Bosacki, Bak, Zewlakow (83. Dudka) – Sobolewski, Radomski – Jelen (90. Brozek), Krzynowek (77. Lewandowski) – Zurawski, Smolarek
Tore:
1:0 Neuville (90.)
Gelbe Karten:
Ballack, Odonkor, Metzelder – Krzynowek, Boruc
Gelb-Rote Karten:
Sobolewski (75.)
Zuschauer:
65000 (ausverkauft) – WM-Stadion Dortmund
Das Spiel
Deutschland zeigte sich von Anfang an engagiert und übte über das gesamte Spiel dauern Druck auf das polnische Tor aus. Die Polen, unter Zugzwang in dieser Partie um überhaupt noch Chancen auf das Achtelfinale zu haben, agierten viel zu zurückhaltend. Die Polen waren kaum in Ballbesitz und schauten lieber den Deutschen beim Querpaß-Geschiebe im Mittelfeld zu. Wie zu erwarten war machten die Polen aber die Räume in der eigenen Hälfte eng, so das freie Anspielstationen für die Deutschen oft Mangelware waren. Nur ab und zu ging’s mal schnell, meist über die Flügel, wo links wieder die Achse Lahm-Schweinsteiger-Podolski stark auftrumpfte. In Halbzeit eins hatte Klose mit dem Kopf (21.) und zweimal Podolski u.a. mit einem sehenswerten Schuß aus der Drehung die Chance auf die verdiente, aber überfällige Führung.
Auch in Halbzeit zwei änderte sich das Bild kaum. Wenn die Polen doch mal in Ballbesitz waren, agierten sie höchstens bis zum Sechzehnmeterraum. Die deutsche Abwehr stand diesmal nicht so weit vorgezogen wie gegen Costa Rica und war dadurch immer auf der Höhe und strahlte Sicherheit aus. Die Zweikämpfe wurden von den Innenverteidigern Metzelder und Mertesacker souverän gewonnen. Vorm polnischen Gehäuse kam nach dem Unvermögen aus Halbzeit eins noch Pech hinzu. Eine Vielzahl an hochkarätigen Chancen verpaßte das deutsche Team. Darunter auch einen Lattenschuß von Ballack. Als sich jeder schon mit einem 0:0 Unentschieden abfinden wollte sprintete Odonkor auf der rechten Außenbahn und flankte präzise in den Strafraum wo Neuville in den Ball rutschen konnte und das erlösende 1:0 in der Nachspielzeit erzielte.
Weisheiten
Deutschland Wir werden Weltmeister. Mit einer weiteren, ansprechenden Leistung konnten die Polen völlig verdient niedergerungen werden. Einzig scheint sich das Sorgenkind von Spiel zu Spiel von Mannschaftsteil zu Mannschaftsteil wechseln. Diesmal sahen die Offensivkräfte nicht ganz überragend aus durch die Vielzahl an ungenutzten Chancen. Das dann noch letztlich Pech hinzu kam erschwerte die Situation zusätzlich. Ich denke aber, daß wir all das über uns ausgeschüttete Pech für diese Weltmeisterschaft nun hinter uns haben und auch im nächsten Spiel Ecuador niederringen können. Vielleicht wäre ein Unentschieden und der Einzug als Gruppenzweiter in das Achtelfinale auch nicht verkehrt, wenn man davon ausgeht, daß England sich den Gruppensieg holt und derzeit sich in einer Verfassung befindet, in der sie uns sicherlich nicht ohne weiteres schlagen können. Wie sagte grade der Kommentator im ZDF in einer Zusammenfassung: “Das spiel zweier gleichwertiger Mannschaften” wohlgemerkt gegen Trinidad & Tobago hat England heute gezauberstolpert.
Wenngleich ich einige Reden hörte, daß dies gestern eines der besten Spiele der deutschen Mannschaft seit langer Zeit war, so möchte ich mich dieser euphorischen Betrachtungsweise nicht anschließen. Da ist noch viel Luft nach oben, zumal die Polen uns auch in keinster Weise ernsthaft gefordert haben und erschreckend schwach mit oder ohne Ball über den Platz taumelten. Lediglich der Abwehrbeton der Polen war standhaft und die überschaubaren Hundertprozentigen wurden zum Teil kläglich vergeigt. Aber – da kling ich mir schon selber fast zu kritisch – mit dieser Leistung geht es wieder einen Schritt in die richtige Richtung. Gegenüber dem Costa Rica-Spiel steigerte sich das Team und war vor allem lauffreudig und zweikampfstark. Ecuador – derzeit Gruppenerster – wird ein sehr unbequemes Spiel werden, nachdem ich mir heute einen ersten Eindruck im Spiel gegen Costa Rica von unserem letzten Gruppengegner machen konnte. Wir stehen schon fest in der nächsten Runde und das dies nach zwei Spielen schon im Sack ist hätten sich die kühnsten Kritiker vor der WM sicherlich nicht träumen lassen. Das Potential ist vorhanden. Wir werden Weltmeister



