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WM 2006Wieder spät, aber der Vollständigkeit halber kommt die Nachbetrachtung zum Achtelfinalspiel der Deutschen von Samstag Nachmittag doch noch. Es gibt nun doch mehr, grade am Wochenende, was einen zwischen Fußball-WM und Weblog noch so im Leben interessiert. Auch diesmal erspar ich mir jegliche Worte zum Kommentator von Samstag Nachmittag. Über Bélà Réthy wurde hier ja nun schon genug gesagt.
Statistisches
Deutschland:
1 Lehmann – 3 Friedrich, 17 Mertesacker, 21 Metzelder, 16 Lahm – 8 Frings (85. 5 Kehl), 19 Schneider, 7 Schweinsteiger (72. 18 Borowski), 13 Ballack – 11 Klose, 20 Podolski (74. 10 Neuville)
Schweden:
Isaksson – Alexandersson, Mellberg, T. Lucic, Edman – Linderoth, Jonson (53. Wilhelmsson), Källström (39. Hansson), Ljungberg – Larsson, Ibrahimovic (72. Allbäck)
Tore:
1:0 Podolski (4.)
2:0 Podolski (12.)
Gelbe Karten:
Frings – Jonson, Allbäck
Gelb-Rote Karten:
Lucic (35.)
Zuschauer:
66000 (ausverkauft) – FIFA WM-Stadion München
Das Spiel
Konzentriert und engagiert ging die deutsche Elf von Beginn an ins Spiel und setzte die Schweden frühzeitig unter Druck. Während die Schweden körperlich anwesend waren schienen sie geistig die erste Viertelstunde noch in der Kabine zu sein. Während ein guter Angriff dem nächsten auf das schwedische Tor folgte sahen die meisten Schweden den Ball nur von weitem. Schon in der vierten Minute mußte Isaksson das erste Mal hinter sich greifen, als dieser einen Schuß von Klose nicht aus dem Strafraum bekommt und Podolski auf Höhe des Elfmeterpunktes abziehen konnte. Auch danach kamen die Schweden nicht zur Ruhe, wurden immer früh gestört. Ein weiterer Angriff bei dem sich ein abermals starker Klose durchsetzen konnte und auf Podolski abspielte verwandelte dieser zu der frühen 2:0 Führung für Deutschland. Nach zwölf Minuten war Schweden geschlagen und konnte danach nicht mehr viel entgegen setzen. Die Deutschen schraubten einen Gang zurück und hatten die Schweden zu jeder Zeit unter Kontrolle. Diese dezimierten sich selber in der 35. Minute durch eine gelb-rote Karte für Lucic, was für eine Vorentscheidung sorgte. Deutschland tat nicht viel mehr als nötig, fuhr weiterhin einige ansehnliche Angriffe ohne dabei zu zwingenden Chancen zu kommen.
Nach dem Wechsel dominierte die deutsche Mannschaft weiterhin das Geschehen. In der 52. Minute gab der durchwachsene Schiedsrichter Simon (Brasilien) einen mehr als zweifelhaften Strafstoß für die Schweden. Nach einem angeblichen Foul von Metzelder an Larsson zeigte der Schiri auf den Elfmeter-Punkt. Larsson selbst trat an und verschoß den Elfmeter kläglich in den Münchner Nachmittagshimmel. Dieser Elfmeter hätte nochmal ein Wendepunkt im Spiel darstellen können, so spielten die Deutschen aber ihr Spiel runter, probierten es mehrfach mit Schüssen aus der zweiten Reihe, die ein glänzend aufgelegter Isaksson mit fantastischen Paraden abwehren konnte. Schweden hatte zu keiner Zeit eine reelle Chance das Spiel zu gewinnen, geschweige denn das deutsche Team überhaupt unter Druck setzen zu können. Erstaunlich, denn nach der sehr guten zweiten Halbzeit gegen die Engländer war der Respekt vor der schwedischen Elf durchaus vorhanden. Deutschland zieht nach einer souveränen Leistung und einer nochmaligen Leistungssteigerung gegenüber den Vorrunden-Partien verdient ins Viertelfinale ein, wo man mit Argentinien eine harte Nuß zu knacken hat.
Weisheiten
Für mich war es fast schon unglaublich zu sehen, was das deutsche Team in den ersten Minuten des Spiels auf die Beine stellte. So stark und engagiert hätte sich selbst der kühnste Fan die Mannschaft nicht vorstellen können. Einen guten Anteil machte, muß man einfach eingestehen, auch aus, daß die Schweden noch nicht wirklich beim Spiel angekommen waren, als sie schon längst geschlagen waren. Am meisten beeindruckt hat mich das Forechecking, wie das Team direkt bei Ballverlust auf den Gegner gegangen ist. Motiviert, engagiert und konzentriert gewann man die entscheidenden Zweikämpfe schon oft in der Hälfte der Schweden und stellte dazu die Räume im eigenen Deckunsgverbund taktisch geschickt zu. Die Schweden hätten sich über eine hohe Niederlage nicht beschweren müssen, wenn das Mittelfeld im weiteren Verlauf des Spiels die gegnerische Abwehr versucht hätte auszuspielen, statt es mit Schüssen aus der Distanz zu versuchen. So schien Ballack unbedingt sein erstes Tor schießen zu müssen, auch Frings probierte sich daran, sein Torkonto zu erhöhen wodurch die Stürmer seltener in Szene gesetzt werden konnten. Bei einem Stande von 2:0 und einem erstaunlich schwachen Gegner kann man sich an so etwas sicherlich mal versuchen. Vielleicht hat es was geholfen und man trifft gegen Argentinien mit solch einem Distanzschuß. Gepaßt hätten einige der Dinger, wenn da nicht ein exzellenter Torhüter im schwedischen Tor gestanden hätte, der die Schweden vor einem Debakel bewahrte.
Spätestens mit diesem Spiel ist Deutschland in der Gruppe der Favoriten angekommen und muß sich gegen Argentinien nicht als Außenseiter fühlen. Vielleicht ist das Spiel am Freitag Abend ein schon vorweg genommenes Finale, das sicherlich sehr, sehr eng für Deutschland werden wird. Mit einer ähnlich konzentrierten Leistung und von einer großen Welle der Euphorie getragen kann das Team ohne wenn und aber auch Argentinien bezwingen. Vermutlich ist danach wirklich, so die Floskel, alles drin und das Team kann sich in einen Rausch spielen. Aber, auch wenn Argentinien vielleicht bisher nicht immer so überzeugen konnte, wie man es eigentlich erwartet, so muß man Spieler wie Riquelme oder Crespo erstmal in den Griff bekommen. Jedenfalls bin ich sehr zuversichtlich, daß es zumindest ein schönes Spiel am Freitag Nachmittag werden kann. Das man durchaus hoffnungsvoll in ein Viertelfinale gegen Argentinien gehen kann, hätte man vor der WM sicherlich kaum erwarten können.