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WM 2006Das war nun also das Achtelfinale, der Zeitpunkt, an dem (O-Ton:) “Die Fußball-WM von vorne beginnt“. Was erwartet man als Fußball-Fan, als Zuschauer, wenn zwei (meist) hochkarätig besetzte Fußball-Mannschaften in einem einzigen Spiel einen Sieger küren müssen, der weiter im Tunier verbleiben darf? Wer 2006, so wie ich, noch den Traum lebt, das man denkt, daß zumindest eine Mannschaft weiterkommen will, der ist nach diesem Achtelfinale aus allen Wolken gefallen.
Zum Spiel der Deutschen hab ich eigentlich genug gesagt. Bleibt nur ein kurzer Nachruf noch auf die Schweden: Ich hab mich wirklich gefragt, was mit einem Team los war, das so aufopferungsvoll gegen England oder Trinidad & Tobago zu kämpfen wußte? Was brandgefährlich bei Standard-Situationen vor dem englischen Kasten war? Wollte man dem Gastgeber ein Geschenk machen? Ich weiß nicht, ob ich, “wie so oft“, ein anderes Spiel gesehn hab, aber ich hatte zumindest das Gefühl, das Schweden nicht gewinnen wollte?
Argentinien gegen Mexico konnte ich nicht sehen – aber wer mit seiner Top-Elf gegen die Mexikaner Probleme bekommt, der wird nicht zu überzeugen wissen. Gegen Mexikaner, die selbst von schlappen Portugiesen mit einer B-Mannschaft geschlagen wurden, um dann noch als Top-Favorit in einem generell sehr mäßigen WM-Tunier zu gelten, vor dem hat man vielleicht noch, dank des Sonntagsschuß zum 2:1, viel (?) Respekt, aber ganz bestimmt keine Angst mehr.
Drei 1:0 in den Achtelfinale-Partien, das zeugt sicherlich nicht für offensiven Fußball. Wie, wenn man nicht nach vorne spielt, will man ein Spiel gewinnen? In dem man sich ins Elfmeterschießen zittert und dann auf den lieben Fußballgott hofft? Oder in dem man einfach auf die zunehmenden Fehler der Schiedsrichter geduldig wartet um dann in Standard-Situationen Bruchteile von Sekunden sein eigentliches Können aufblitzen zu lassen und es genauso schnell wieder verschwinden zu lassen?
Die Kämpfe um Kolonial-Gebiete sind schon einige Jahrzehnte, -hunderte vorbei. Heute werden sie auf dem Fußball-Platz weiter geführt. Während Holland und Portugal ihre Schlacht geschlagen haben, wartet das nächste Opfer auf die “Seleção”. Gegen die Engländer, die schon mit ihre Nußschale fast an Ecuador gestrandet sind können die Portugiesen wieder ihr großes Kämpferherz beweisen.
Und dann waren da noch Italien und die Ukraine. Die einen machen da weiter, wo sie in der Vorrunde aufgehört haben – so eine rote Karte und ein umstrittener Foul-Elfmeter sprechen Bände – und die anderen machen da weiter, wo sie in der Vorrunde aufgehört haben – so ein 120 minütiges, torloses Unentschieden ohne jemals richtigen Zug zum gegnerischen Strafraum entwickelt zu haben spricht auch Bände. Man erinnere sich daran, daß diese Ukraine 4 Gegentreffer von Spanien eingeschenkt bekam.
Besser wurd es in den letzten beiden Achtelfinalspielen aber auch nicht. Es sind sieben Tore gefallen, aber Tore alleine machen auch kein schönes Spiel aus. Eine Mannschaft, die aufopferungsvoll kämpft, spielt, Spielwitz zeigt, aber beim Abschluß die Hose voll hat wird, so sympathisch sie auch ist, kann kein Spiel gewinnen. Erst recht nicht gegen Brasilien. Gegen eiskalte Konterspieler. Konter und Brasilien, seit dieser WM eine Kombination, mit der man sich anfreunden muß. Den Zauberfußball vom Zuckerhut spielen schon lange andere.
Rasenschach kann spannend sein, Rasenschach kann sogar interessant sein. Wenn man Mannschaften auf’s Feld schickt, die schnelle Pässe spielen können um den Moment, in dem sich alle Beteiligten gegenseitig eleminieren, aufzulösen. Dumm nur, das alternde Franzosen und junge Spanier dazu nicht mehr/noch nicht in der Lage waren/sind. Nur muß man dafür den Willen zeigen, gewinnen zu wollen. Vielleicht auch Fehler begehen zu können. In einem Spiel, in dem kein Team jemals von einem deutschen Fußballfan den Sympathie-Preis überreicht bekommen würde, zeigten beide Mannschaften wiedermal ganz genau, warum dies der Fall ist und sich genau das in Zukunft auch nie ändern wird.
Nee, jetzt mal ehrlich: Das macht keinen Spaß. Ich hab mich tierisch auf diese WM gefreut, vor allem weil ich – unabhängig vom Europameister 2004 – bei der letzten EM von Tschechien, Portugal und Holland verwöhnt wurde, was das spielerische und offensive Potential dieser Teams betraf. Spiele auf Messers Schneide, die hin und her, rauf und runter gingen! Da hat man Spaß vor dem Fernseher, aber nicht bei solchen Spielen, die bisher bei der WM abgeliefert wurden.
Hatten/Haben die alle Angst, daß man die Stadien dicht macht, wenn man sich nicht an das Niveau der deutschen Mannschaft vor dem Tunier anpaßt? Mir graut es davor, wenn Deutschland im Viertelfinale möglicherweise ausscheiden sollte. Was sehen wir dann für Halbfinal- und Finalspiele? Argentinien – Italien, Brasilien – England? Namhaft allemal, aber sportlich? So interessant wie ‘ne geplatzte Weißwurst in Fürstenfeldbruck! Was würde ich – oder was würde Mann – denken, wenn man für viel Geld ein Ticket für eines der begehrten Endrundenspiele erstanden hat und man eine Zumutung wie England – Ecuador oder Schweiz – Ukraine geliefert bekommt?
Was bleibt ist eine mit Sarkasmus gefärbte Nachbetrachtung, was kommen wird, ist eine mit viel Hoffnung gespickte Prognose. Wir sind im Euro-Südamerika-Cup 2006 gefangen. Gefangen in einem Tunier, vor dem in Deutschland, zwischen Vorbereitungsspielen nach dem Confed-Cup und dem Spiel gegen Luxemburg, jeder wußte, daß wir uns hier zu Hause bis auf die Knochen blamieren würden. Jetzt hab ich nicht “Angst” davor, daß wir schlecht spielen und verdient ausscheiden: Jetzt sind wir mitunter die letzten im Tunier, die Fußball spielen und ich habe “Angst” davor, daß wir wieder gut spielen und zu unrecht ausscheiden, wie es schon so vielen Mannschaften in diesem Tunier passiert ist. Was stimmt da nicht?