SierraXTC am 11.07.06 um 00:27 Uhr

Ich war Fußball-WM

Fußball, WM 2006

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Wirft man einen Blick in die Runde der Berufsjournalje, so zieht jede Redaktion, ebenso wie die gesammelte WM-Blogosphäre, für sich das Resumée aus der vergangenen FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006. In diesem Sinne darf ich natürlich nicht fehlen und werfe hier einen letzten Blick zurück auf die vergangenen vier Wochen, die Deutschland und die Welt in den Ausnahmezustand versetzten. So findet jede große Party auch ein Ende, wenngleich nach diesem Fest der Kater nicht ganz so schmerzhaft zu sein scheint.

An dieser Stelle beginnen wir mit dem, in meinen Augen, unrühmlichen Ende der Fußball-WM. Italien ist nach Elfmeterschießen im WM-Finale von Berlin gegen Frankreich Weltmeister 2006 geworden. Für mich ist das eine große Enttäuschung und macht damit eigentlich schon wieder vieles von dem großartigen Ereignis kaputt, was sich die Menschen gemeinsam in den letzten vier Wochen hier erarbeitet und aufgebaut haben. Der Grund liegt vornehmlich für mich im “spielerischen” Bereich. Mit Italien und Frankreich haben es zwei zwar taktisch sehr gute Mannschaften ins Finale geschafft, beide Teams spielen aber eben eine sehr unattraktive Form des Fußballs.
Weltmeister 2006 Italien Cannavaro
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Italien mit seinem ergebnisorientierten Cattenacio spielt vielleicht noch unschöneren Fußball als Griechenland 2004 in Portugal. Dazu kommt, daß das italienische Team die Stereotypen, die ihnen seit Jahrzehnten im Fußball anhängen nachhaltig untermauert hat. Mit einem zum Teil sehr unsportlichem Verhalten “kämpfte” man sich Runde um Runde bis ins Finale. 32 Schwalben sprechen Bände, eine davon – zumindest ein sehr fragwürdiges Foulspiel – ermöglichte Italien überhaupt erst den Einzug ins Viertelfinale. Als in der 95. Minute im Spiel gegen Australien Schiedsrichter Cantalejo aus Spanien auf den Punkt zeigt begünstigt er klar die italienische Mannschaft. Dreimal spielte Italien in der Finalrunde 0:0 nach neunzig Minuten: Gegen Australien, wo man unverdient erst in der Nachspielzeit das erlösende Tor schaffte, wie auch gegen Deutschland und Frankreich. Dazu zeigte man keine sportliche Größe, wie man an unrühmlichen Foulspielen, wie der Ellbogen-Check von “de Rossi” gegen die USofA, das erwähnte zweifelhafte Foul an “Grosso” im Achtelfinale, der TV-”Beweis”, der zur zweifelhaften Sperre von “Frings” im Halbfinale führte oder letztlich die Provokation durch “Materazzi“, die zur roten Karte gegen “Zidane” im Finale führte sehen kann. Deswegen fällt es mir schwer von einem verdienten Titelgewinn für die Azzuro zu sprechen, zumal spielerisch Frankreich über weite Strecken, des von mir bis – auf die letzten Minuten – boykottierten Finales, selbiges dominiert haben soll.

Das neue Fußball-Spiel

Mit der Spielweise, wie die Italiener ihr Fußball-”Spiel” vortrugen standen sie aber letztlich bei dieser Weltmeisterschaft nicht alleine da. Von tollen, mitreißenden Spielen war selten etwas zu sehen. Viele Mannschaften, darunter hochgelobte Titelaspiranten wie England oder Brasilien spielten ergebnisorientierten Fußball. Taktisch zum Teil sicherlich auf sehr hohem Niveau neutralisierten sich Weltklasse-Teams im Mittelfeld. Oft entschied ein einziger Fehler ein ganzes Spiel. Im Ausnutzen dieser Fehler zeigten sich Mannschaften wie Italien ganz groß. Teams, die vielleicht im Ansatz begeisternden Fußball zeigen wollten, wie Australien oder Ghana scheiterten an der kämpferischen Abwehrleistung dieser “großen” Teams, sowie an ihrem eigenen Unvermögen. Sicherlich spielte auch Deutschland nicht den ansehnlichsten Fußball, aber daß unser Team von vielen für die neue Art Fußball zu spielen gelobt wird zeigt, daß Fußball-Deutschland zu anderen Mannschaften mindestens aufgeschlossen hat bei dieser WM. Während vor zwei Jahren Teams wie Portugal, die Tschechei und gar die Niederlande mich wirklich zu begeistern wußten, kann ich mich ernsthaft an kein Spiel bei diesem Turnier erinnern, wo ich richtig mitgerissen wurde. Das finde ich sehr bedauerlich und läßt den Fußball-Fan nicht gerade in eine rosige Zukunft blicken. Wo es doch für den Zuschauer deutlich interessanter wäre ein offenes Spiel verfolgen zu können. Denn, daran sollten sich auch die Weltklasse-Mannschaften erinnern: Man gewinnt ein Spiel nicht nur, wenn Hinten die Null steht. Spiele kann man nur gewinnen, wenn man mehr Tore schießt als der Gegner.

‘54 – ‘74 – ‘90 – 2010

Von dieser Philosophie ist – vielleicht nicht ganz unberechtigt – Jürgen Klinsmann als Bundestrainer während der WM auch ein wenig abgekommen. So schön einige Auftritte des deutschen Teams 2005 beim Confed-Cup waren, so kassierte man im den letzten Jahr über die zurückliegenden Testspiele zu viele Gegentore. Das dann bei der WM im eigenen Land die deutschen Innenverteidiger “Mertesacker” und “Metzelder” zu den besten Abwehrspielern gehören ist daher eine große Überraschung. Wenige Fehler, sehr gute, konzentrierte und kämpferische Leistungen vor allem in der Defensive, wie soll’s auch anders sein bei dieser WM, brachten auch das deutsche Team viel weiter, als der kühnste Optimist im Vorfeld noch zu träumen wagte.

Podolski Jubel Schweden
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Dabei vergaß die Mannschaft aber bis zu den schweren Brocken wie Argentinien nie das Tore schießen, auch wenn sie dabei mal 90 Minuten erfolglos gegen einen polnischen Strafraum anrannte, ehe das erlösende Tor in der Nachspielzeit fiel, ohne sich dabei im Strafraum fallen zu lassen, ganz aus dem Spiel heraus. Ein klares Zeichen, daß Deutschland nicht nur die Defensivarbeit mit der notwendigen Ernsthaftigkeit verfolgte, sondern auch im Spiel nach vorne Akzente zu setzen wußte beweißt, daß mit “Klose

der Torschützenkönig der diesjährigen WM aus Deutschland kommt und mit “Podolski” der zweite deutsche Stürmer immerhin auf Platz 2 der Torschützenliste steht. Das Team ist jung und hat auf vielen Positionen ein herausragendes Turnier gespielt. Dazu kommen motivierte Spieler, die mannschaftsdienlich über die letzten vier Wochen ruhig ihr Reservisten-Dasein gefristet haben und zum entsprechenden Zeitpunkt stark aufspielten und einen versöhnlichen dritten Platz mit der gesamten Mannschaft erreichten. Das eröffnet dem deutschen Fußball eigentlich eine optimistische Perspektive für die kommenden Aufgaben. Offensichtlich ist das Spielermaterial in Deutschland doch vorhanden, man muß die Klasse der Einzelspieler “nur” als solche abrufen und ein stimmiges Gesamtpaket daraus schnüren. An diesem Punkt, den Jürgen Klinsmann erreicht hat, muß man nun anknüpfen und diese Arbeit konsequent weiter führen. Ob aber die Päckchen weiterhin von Klinsmann geschnürt werden bleibt nach wie vor abzuwarten. Ich für meinen Teil denke, daß es einen neuen Bundestrainer geben wird, der hoffentlich von der DFB-Führung bewußt mit der Vorgabe gewählt werden sollte, dieses neuartige System weiter zu verfolgen.

Zu Gast bei Freunden

Nachdem nun ein Großteil der sportlichen Seite in diesem Resumée betrachtet wurde gilt es sich der großen Party um dieses Turnier drum herum zu widmen. Menschen, überall Menschen – nur scheinbar nicht in Hamm. Public Viewing ist scheinbar in Deutschland endgültig angekommen. Von diesem Phänomen habe ich aber, vielleicht auch aus eigener Feigheit, nur aus den Medien hören können. Generell bin ich eigentlich auch nicht unbedingt der Typ, der sich zwischen Tausenden von Menschen quetscht und dann vom eigentlichen Ereignis – dem Spiel – vermutlich wenig mitbekommen würde. Aber diese Party muß etwas ganz Großes, ganz Besonderes gewesen sein, wenn man vor allem einige der live von der Fanmeile in Berlin bloggenden Autoren Glauben schenken darf. In Berlin fand vielleicht eine vier Wochen anhaltende LoveParade statt *g* Eine Fanfest, was von den Zuschauern und Besuchern gleichermaßen wirklich als Fest gefeiert wurde. Die Berichterstattung in den Medien umfaßt nur wenige der unsäglichen Übergriffe durch Hooligans. Dabei scheinen vor allem auch die Ordnungshüter im Vorfeld wie auch letztlich vor Ort in angemessenem Maße reagiert zu haben. So wurde multimedial ein ganz anderes Bild von Deutschland in die Welt getragen, als es vor allem das Ausland wohl im Vorfeld vermutet hätte. Scheinbar waren wir sympathisch: “weltoffen, multikulturell, sympathisch” Uns miesepetrigen, verbissenen, humorlosen Deutschen hätte das scheinbar niemand zugetraut. Dabei ist es doch eigentlich durchaus den Menschen hier vor Ort bekannt, daß die Bevölkerung schon lange nicht mehr ‘nen Stock im Poppes hat und daher auch – trotz Mediendebatten über verfehlte Integrationspolitik – seit Jahren “Multikulti” leben muß, leben kann und auch lebt. Deutschland war, zumindest fällt mir spontan keine Ausnahme ein, eigentlich seit je her ein guter Gastgeber und hat es endlich verstanden, nicht nur sich zurückhaltend zu präsentieren, sondern gemeinsam mit seinen Gästen die vier sonnigen Sommerwochen zu nutzen und aus dem Turnier eine schöne, große, gemeinsame Party zu veranstalten.

Generation Partyotismus

Während unten auf der Straße der “Mob” mit dem Fähnchen am Auto und in der Hand Arm in Arm mit Afrikanern, Südamerikanern, Nordamerikanern, Asiaten und anderen Europäern feierte wurde in den Medien das schwarz-rot-geile (BILD-Schlagzeile) Fahnenmeer anfangs mit Argwohn betrachtet. Aufkommende Debatten um Nationalstolz und Patriotismus rauschten durch Deutschlands Blätterwald.
schwarz rot goldenes Fahnenmeer
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So ein Phänomen muß in Deutschland erst diskutiert und analysiert werden in Hinblick auf die allgegenwärtige Vergangenheit. Diese Vergangheit wird auch von den kommenden Generationen, die freudig die deutsche Flagge geschwenkt haben, sicher nie vergessen werden. Aber diese kommenden Generationen werden mit dieser Vergangenheit anders umgehen, als sich dauerhaft in Demut zu üben. Dieses Turnier und die Fanfeste dürften genau dies gezeigt haben. Auch wenn dies vielleicht nicht bei allen gut ankommt, so wird man sich vermutlich damit arrangieren müssen. Ich möchte gerne glauben, daß während der EM 2008 – vielleicht nicht in diesem Umfang – das Public Viewing wieder aufgegriffen wird, auch die kommende Europameisterschaft wird in Deutschland sicherlich gefeiert werden (so man sich qualifiziert). Denn dieses Turnier in Deutschland hat vielleicht etwas geschafft, was nicht mal eine millionenschwere Kampagne schaffen kann. Das Turnier und die sich daraus ergebende Chance, sich zu präsentieren hat vermutlich die Menschen sich selber ein Stück näher gebracht: Wir sind Deutschland.

Die WM in ARD und ZDF

Während auf Fanmeilen Fans sich gegenseitig einheizten durfte der gemeine 08/15-Fan sich durch das Rahmenprogramm im Fernsehn kämpfen. Wieder mal saß man bei den Öffentlich-Rechtlichen glücklicherweise in der ersten Reihe. Es störte nur, daß man in der ersten Reihe so nah an den Lautsprechern sitzt. Dabei wurde man mit stundenlangen Vorberichten überschüttet. Man wußte zwischenzeitlich vermutlich welche Zahnpasta “Ronaldinho” benutzt und ob das ein gutes, statistisches Omen ist. Jede noch so entbehrliche Statistik hielten uns Johannes B. Kerner und Gerd Delling unter die Nase, die beweisen sollte, warum z.B. Brasilien die Franzosen im Viertelfinale hinaus kegelt. So kommt es doch letztlich immer anders als man denkt, und wie sagte einst eine weise Person: “Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast“. Daher war das Rahmenprogramm, wie die ein oder andere Prognose einfach nur der obligatorische Zeitvertreib um sich mental für das bevorstehende Spiel vorzubereiten.

Denn Vorbereitung für den Zuschauer bedurfte es allemal: Über die volle Distanz der Spiele und gar gnadenlos bis zum Ende der WM fanden die Kommentatoren nur selten die richtigen Worte. Ganz gleich, ob die ARD oder das ZDF die Spiele übertragen durfte, das Kommentatoren-WM-Team der Öffentlich-Rechtlichen war ein Graus. So fand (zu Recht) in vielen WM-Blogs das kollektive Stöhnen statt: Mal kreativ, mal geschichtsträchtig zeigte man sich und der Netzwelt, daß man in den neunzig Minuten lieber anders begleitet werden möchte. Zumal die Schar der Kommentatoren nur die Spitze des Eisbergs ist: Kameraschwenks auf die Trainerbank, ins Publikum, auf A-, B-, C-Promis, sekundenlang. Das Spiel lief schon längst wieder, da hielt die Regie noch immer auf Frau Merkel oder Herrn Gottschalk und unsere die Kommentatoren wußten auch dazu etwas beitragen zu müssen. Während ich gern wissen möchte, wer wann und wie den Einwurf macht bekam ich Dinge erzählt, die mich nicht interessieren. Während nicht nur in Dortmund eine Elf aufopferungsvoll die letzten Minuten kämpfte und verlor mußte ich verfrühte (Fehl-)Analysen über mich ergehen lassen. Deutschland war nach sechszig Minuten im Viertelfinale schon hoffnungslos, sowie sang- und klanglos ausgeschieden – wenn man den Kommentatoren gelauscht hat. Und das solche berechtigte Kritik natürlich nicht gern gehört wurde zeigt diese Resonanz.

Zumindest wurde man im Anschluß mit geistreichen Analysen von Günther Netzer oder Jürgen Klopp belohnt. Das war auch das einzig Weltmeisterliche, was im gesamten Programm rund um das Turnier dem Zuschauer von Seiten der Berichterstattung geboten wurde. Daß aber ein Umdenken in den Köpfen der Programmchefs einsetzen wird ist nicht zu erwarten. Fußball ist zu Unterhaltung, Entertainment, zur große Abendshow geworden. Eine Übertragung dauert mittlerweile meist mehr als doppelt so lange wie das eigentliche Spiel selbst. Vor diesem Hintergrund wird den Kommentatoren immer wieder auf ein Neues einfallen dürfen, mit welchen finalen Spiel-Analysen in der dritten Minute das Spiel zu kommentieren ist. Es ist schade um den großen Sport, wenn man in Zukunft wirklich zu der Maßnahme greifen muß und dem Ton endlich den Saft abdrehen muß.

Farbenfrohes Fußball-Fest

Die Kommentatoren waren aber bei dieser Weltmeisterschaft wieder einer Vollbeschäftigung ausgesetzt, die ihresgleichen suchte: Reihenweise mußte man Fairplay-Statistiken bemühen um überhaupt noch den Überblick behalten zu können, welcher Spieler überhaupt noch spielberechtigt war.

Schiri Portugal Holland Rot
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Mit einer eher eigenwilligen Regelauslegung hielt die FIFA ihre Schiedsrichter dazu an, das Spiel entsprechend direkt zu unterbrechen und Spieler nicht nur zu ermahnen, sondern auch direkt zu verwarnen. Bei einem Turnier wie einer Weltmeisterschaft zeigt sich einmal mehr, daß Fußball überall in der Welt anders gespielt wird. Während sich einige Europäer mit schon Oscar-reifen Vorstellungen unsportlich Vorteile

zu verschaffen wissen können zum Teil diese Darbietungen Schiedsrichter aus anderen Erdteilen noch nicht korrekt einschätzen. Ein Verhängnis, welches sich Italien zu nutzen machte. Das Turnier lebte wieder von zweifelhaften Entscheidungen, welche die Schiedsrichter unnötig in den Mittelpunkt stellten. Ein guter Schiedsrichter sollte ein Spiel unauffällig leiten, bei vielen Spielen war der Schiedsrichter der Hauptakteuer auf dem Rasen. Das kann und darf einfach nicht sein. Ebenso wie man sich als Verband eine klare Linie auferlegen sollte, nach denen man im nach hinein gefundene Unsportlichkeiten bewertet. Nicht nur der defensive Fußball muß sich ändern, auch müssen die Schiedsrichter deutlich erfahrener sein und sich über die Spielweise der teilnehmenden Nationen besser informieren. Vielleicht sollten Top-Schiedsrichter, die ja in Zukunft Profis Berufsschiedsrichter sein sollen, durch die einzelnen Kontinentalverbände rotieren. Schon 2002 stand der Weltverband mit seinen Schiedsrichtern in der Kritik. Denn es ist bei diesem Spiel notwendig die Regeln nicht einfach nur wort-wörtlich auszulegen, sondern sie auf dem Feld situationsbedingt zu interpretieren. Das oft genannte Fingerspitzengefühl bei der Regelauslegung muß der Referee in Zukunft mitbringen. Er muß in der Lage sein unsportliches Verhalten in welcher Form auch immer zu erkennen, sich dabei auf seine Linienrichter und auf den vierten, fünften Offiziellen verlassen können und sich dem Respekt der Spieler sicher sein. Diese Schiedsrichter können dann auch unauffällig ein Turnier zu einem großen sportlichen Ereignis werden lassen.

Die Welt zu Gast

Nicht nur in Bezug auf die Regelauslegung auf dem Platz diktiert der Fußball-Weltverband das Geschehen. Im Vorfeld haderten viele mit den Vorgaben der FIFA in Bezug auf Werbung, Ticketverkauf oder die ominöse Bannmeile. Aus unsäglichen Stadionnamen wie “Allianz”-Arena oder “Signal-Iduna”-Park wurden die FIFA-WM-Stadien und alle Sponsoren-Logos von nicht offiziellen Partnern der FIFA-WM 2006 mußten entfernt werden. In Stadien wurde Anheuser Busch Budweiser ausgeschenkt, einzig Bitburger hatte als verbliebener deutscher Brauer eine Schanklizenz. Die Offiziellen wurden nicht von Mercedes-Benz, BMW oder Audi zu den VIP-Lounges chauffiert sondern in Produkten der typisch deutschen Automobilschmiede Hyundai. Ob dies alles so sinnvoll ist um dem Gastgeberland entsprechend auch nicht nur durch die Infrastruktur und durch die Bevölkerung die Option zu bieten sich zu präsentieren sei dahin gestellt. Dennoch werden sich im Zuge dieser enormen Kommerzialisierung die Verantwortlichen sicherlich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch einiges Überlegen müssen, wie sie die Vermarktung dieses weltweiten Events nicht irgendwann so kaputt verkauft haben, daß die Auswüchse am Konsumenten vorbei zielen. Ich denke, bei Ticketpreisen von mehreren hundert Euro im Zweifel sollte man nicht nur den VIP-Touristen, der sich gemeinhin als Stimmungskiller entpuppt, zuvorkommend behandeln, sondern auch denjenigen, der diese Veranstaltung erst zu einem richtigen Ereignis macht: Nämlich demjenigen, der lautstark mit tausend anderen im Stadion für Stimmung sorgt – und nein, dies ist nicht der Animateur Stadionsprecher.

Nicht mittendrin – aber dabei

So war ich letztlich nicht mittendrin, sondern – in Ahnlehnung an den guten alten DSF-Werbeslogan – nur dabei, aber habe es trotzdem sehr genossen zu sehen, wie eine angefachte Euphorie durchaus Großes bewirken kann. Leider ist diese Weltmeisterschaft nun vorbei und es bleiben im Endeffekt nur die Erinnerungen an schöne, interessante, zum Teil gähnend langweilige (in Bezug auf die Spiele) vier sonnige, heiße Wochen in Deutschland 2006. Über den erfolgreichen dritten Platz während dieser WM wird vielleicht im ersten Pflichtspiel gegen Irland nach einem enttäuschenden 1:0 Erfolg niemand mehr reden, aber spätestens wenn 2008 und 2010 wieder die allgegenwärtigen Moderatoren und Kommentatoren ihre Statistiken ausbreiten werden wir wieder mit diesem, weiteren großen Moment in der Geschichte des DFB konfrontiert. In Anbetracht der Tatsache, daß nun wieder in den Medien das Tagesgeschäft Einzug erhält und in rund vier Wochen die Telekom-Liga Bundesliga ihre Pforten öffnet wird sicherlich nicht viel von der großen Euphorie und der allgegenwärtigen Party in den “grauen Alltag” hinüber gerettet. Wenn aber zu großen Sportereignissen wie der EURO 2008 oder der WM 2010 in Südafrika (oder den USofA, oder Groß-Britannien) wieder die Menschen bunten Fähnchen auf öffentlichen Plätzen bei sommerlichen Temperaturen schwenken und mit dem Team mitfiebern, dann ist doch schon ein bißchen was gewonnen.

Damit ich neben den wenigen Themen, die ich mir in diesem Blog aus den Fingern sauge, auch weiterhin noch etwas zu schreiben habe, werde ich natürlich die junge, aufstrebende Mannschaft auf ihrem Weg in die Schweiz und nach Österreich ein wenig begleiten. Man schaut sich ja doch immer wieder die Länderspiele an, ganz gleich, wie gut sie sind oder gegen wen wir spielen. Vielleicht in Zukunft doch mit ein bißchen weniger Gezeter und Gemecker von meiner Seite und einem etwas optimistischeren Blick nach vorne. Ich hoffe der nächste treue Leser erinnert mich an diese Worte, wenn die Schweden am 16. August ihre Revanche in dem FIFA-WM-Stadion Gelsenkirchen der Veltins-Arena “AufSchalke” erhalten. Mit besten Dank an die Leser, die bei diesem Resumée bis zum Ende durchgehalten haben gebe ich zurück in die angeschlossenen Sendeanstalten.

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3 Feedbacks zu "Ich war Fußball-WM"
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Missi
Geschrieben am: 11.07.06 um 14:08  |  

Ja war viel zu lesen, aber ein wirklich sch

a gravatar
Marco
Geschrieben am: 07.05.08 um 13:58  |  

Hallo,

nun ja, seit 2006 muss ich mich ja als italiener immer f

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SierraXTC
Geschrieben am: 07.05.08 um 15:51  |  

Ich hab diese Diskussion schon zur WM mit einem Italiener gef

Kommentare

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