Tags: Deutschland, Fußball, LänderspielVorweg wieder einmal die mittlerweile obligatorische Kommentatoren-Schelte: Diesmal beglückte uns Bélà Réthy vom ZDF mit seinen Weisheiten. Oberlehrerhaft erklärte er uns, daß es nicht Zyprioten, sondern Zyprer heißt. Es folgten in Halbzeit eins bei Réthy diverse Versprecher, die er mühevoll noch korrigierte. In Halbzeit zwei blieben die Zyprer dann auch bei ihm Zyprioten. Wie immer pickt sich der geneigte Kommentator eine Hand voll Spieler heraus. Eine schlechte Aktion auf dem Feld, eh nicht Stammkraft, schwupps hat man den oder die Deppen des Abends gefunden.
Statistisches
Zypern:
Georgallidis – Theodotou, Louka, Lambrou, Ilia – Charalambidis, Makridis, Michail, Aloneftis – Okkas, Konstantinou
Deutschland:
12 Hildebrand (3,5) – 27 C. Fritz (2,0), 3 A. Friedrich (3,5), 24 M. Friedrich (4,0), 16 Lahm (3,0) – 22 Odonkor (4,5)
(80. 15 Hitzlsperger (-)), 8 Frings (2,5), 13 Ballack (2,0), 7 Schweinsteiger (3,0) – 11 Klose (5,0), 10 Neuville (4,5)
(62. 9 Hanke (5,0))
Tore:
0:1 Ballack (15.)
1:1 Okkas (43.)
Gelbe Karten:
Charalambidis, Okkas, Louka – Klose, C. Fritz, Lahm
Zuschauer:
15000 – Neo GSP
Das Spiel
Schon direkt nach Anpfiff überraschte Zypern mit einem Angriff die deutsche Hintermannschaft. Die erste Chance der Gastgeber konnte aber in Gemeinschaftsarbeit verhindert werden. Im folgenden gab es Aufregung auf der anderen Seite. Etwa in der siebten Minute holte Georgallidis Neuville außerhalb des Strafraums als letzter Mann von den Beinen. Der Schiedsrichter zeigte jedoch noch nicht mal gelb für diese Notbremse. Danach war das Spiel weiterhin recht hektisch, keine Mannschaft konnte den Ball längere Zeit in den eigenen Reihen halten. Nachdem Deutschland nach rund zehn Minuten etwas das Spiel unter Kontrolle bekam fiel aus einer Freistoß-Situation nach rund einer Viertelstunde das 0:1. Statt direkt zu schießen nimmt Ballack den Ball einige Schritte mit und versucht dann einen Distanzschuß, der für den zypriotischenschen Torhüter nicht zu halten war. Statt weiterhin Druck auf Zypern auszuüben verwaltete Deutschland danach nur das Spiel. Der Gegner kam durch Konter immer wieder gefährlich vor das deutsche Tor wo Hildebrandt nicht unbedingt Sicherheit austrahlte. Dies zeigte sich u.a. bei einem Rückpass von Clemens Fritz nach dem Hildebrandt an der Strafraumgrenze einen Gegenspieler anschoß. In der 43. Minute ließ Schweinsteiger Okkas gewähren, der vom Strafraum-Eck unhaltbar hinter Hildebrandt einschlug.
Nach dem Pausentee wurde die eh schon harte Partie ruppiger. Zypern ging oft mehr als aggresiv in die Zweikämpfe. Der schwedische Schiedsrichter ließ jedoch sehr viel durchgehen, wie man an der Notbremse zu Beginn des Spiels sah. Das Zypern dieses Spiel überhaupt zu elft beendete war eigentlich ein kleines Wunder. Mit zunehmender Spielzeit wurde der Gegner immer frecher und erarbeitet sich einige ernsthafte Konterchancen, wo sich die deutsche Hintermannschaft zwischen Licht und Schatten bewegte. Selbst lief der Ball über einige Stationen gefällig durch die Reihen, bis ein weiterer Fehlpass die Bemühungen unterbrach. Am Strafraum selbst herrschte Ideenlosigkeit, wie man die Stürmer überhaupt einsetzen könnte. So blieb es, dank eines nicht gegebenen Abseitstores für Zypern bei der Punkteteilung.
Weisheiten
Was soll man nun zu diesem Spiel sagen? Der unerwartet unangenehme Gegner, der sicher das Optimum aus seinen Möglichkeiten geholt hat gegen eine deutsche A3-Nationalmannschaft, die aus dem wenigen Platz, den ihnen gelassen wurde wenig gemacht hat. Mit der Führung im Rücken und einer meist konzentrierten Abwehrarbeit hatte man die Zyprer durchaus unter Kontrolle. Leider ist irgendwann immer mal wieder einer unkonzentriert und so entsteht durch individuelle Fehler das Gegentor. Es fehlte sicherlich ein Bernd Schneider, dessen Ausfall Odonkor auf der rechten Seite zu keiner Zeit kompensieren konnte. Ansonsten war das Team engagiert, aber glück- und oft auch ideenlos. Zu häufig spielte man die Stürmer mit hohen Bällen an, beim 1,70m großen Neuville vielleicht nicht unbedingt das beste Rezept – zumal dessen Stärken auch eher wo anders liegen. Aber a pros pos Stürmer: Die Lücke, die hinter Klose und Podolski klafft, wenn diese außer Form oder verletzt sind, schaffen Hanke oder Neuville nicht zu schließen.
Letztlich war das Unentschieden vielleicht glücklich, aber sicher nicht unverdient. Nach wie vor bleibt man ungeschlagen, ist nach vier Spieltagen punktgleich mit Tschechien, die ebenfalls schon in der Qualifikation “gepatzt” haben und hat sogar einen beruhigenden Vorsprung vor Platz drei. Natürlich hat sich das Team jetzt für das kommende Spiel gegen die Tschechen selbst unnötig unter Druck gesetzt. In der Hoffnung, daß im Frühjahr 2007 weitere Stammkräfte zurück kehren und die Tschechen selbst mitspielen wollen, dürfte das zwar ein schweres Spiel werden, aber gegen diesen Gegner dürfte sicher angenehmer zu spielen sein.
Honk des Tages:
Charalambidis – Statt durch seine, möglicherweise vorhandene, technische Klasse zu überzeugen foulte er mehrmals brutal und durfte unverständlicherweise bis zum Ende spielen. Neben dieser brutalen Spielweise zeichnete er sich auch als fairer Sportsmann aus, der bei einem vergleichsweise harmlosen Foul an ihm, konsequent die Karte forderte. Nicht nur einmal, nein, er ließ es sich nicht nehmen, hinter dem Schiedsrichter herzurennen und diesen mehrfach zu ermahnen doch endlich den Karton zu zeigen.


Bitte kommentieren Sie!
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>