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NahverkehrErstaunlich: Ich habe mich schon lange nicht mehr über den ÖPNV ausgekotzt. Aber, es ist mal wieder an der Zeit Unverständnis zu äußern.
Vorab eine kleine Beschreibung, der Situation, damit auch jeder versteht, worum es diesmal geht: Ich wohne im wunderschönen Hamm. Hamm gehört zur “Verkehrsgemeinschaft Ruhr-Lippe“. Der Tarifraum erstreckt sich bis nach Kamen, welcher die östliche Grenze des “Verkehrsverbund Rhein-Ruhr” bildet. Somit liegen meine Fahrziele Dortmund (Arbeitsstätte) und Bochum (Berufsschule) im VRR. Für den Bereich bis nach Dortmund bietet die VRL ein Monatsticket im Abo (zum Spottpreis von ¤ 113,20) an. Bis nach Bochum nicht – Bochum fällt nicht mehr in den “Übergangsbereich“. War auch nicht so schlimm bisher – die paar Fahrten im Monat nach Bochum kann man auch ohne Dauerkarte noch zahlen. Denn zwischen Dortmund und Bochum muß ein Ticket der Preisstufe B im VRR gekauft werden um mit Bus und Bahn verkehren zu können. So ein Ticket kostet im VRR bescheidene ¤ 4,10.
Nun ist es aber so, das ich häufiger pro Woche nach Bochum zur Berufsschule mussdarf. Langfristig würde sich also ein Monatsticket möglicherweise anbieten. Vielleicht eins für Azubis/Schüler, das den VRR-Bereich zwischen Kamen und Bochum abdeckt. Das würde auch die Kosten für’s Monatsticket im VRL minimieren, da ich ja dann nur noch eins bis Kamen, statt bis Dortmund bräuchte. Nett gedacht – jedoch wurde da die Rechnung ohne “das Land NRW” gemacht. Das Land bezuschußt angeblich das sogenannten “Young Ticket” – und das macht es angeblich nur, wenn der Inhaber im Bereich des VRR wohnt. Dies zumindest die Aussage der DSW21, der Dortmunder Stadtwerke.
Statt Monatsticket VRL Abo Stufe 4 für ¤ 75,20 und Young Ticket Kategorie C für ¤ 81,15 (Gesamt: ¤ 156,35) muß man sich nun was anderes überlegen. Preisstufe C im Young Ticket übrigens, weil Dortmund in zwei Tarifgebiete unterteilt ist und Tarif B nur über zwei direkt angrenzende Tarifgebiete gilt. Sprich, von Kamen nach Bochum überspringt man mindestens zwei Tarifgebietsgrenzen, was zur Folge hat, das man gleich ein Ticket für den Gesamtbereich des VRR kaufen darf. Wofür ich durchaus gerne die rund ¤ 80,- bezahlt hätte, immerhin wären dann Fahrten nach Köln für mich deutlich günstiger gekommen, wenn man bis Langenfeld freie Fahrt mit Marzipan gehabt hätte. Aber, is’ ja nicht.
Stattdessen scheint die einzige Lösung zu sein, weiterhin an seinem Monatsticket VRL Abo Stufe 6 für ¤ 113,20 fest zu halten und sich zusätzlich für die Fahrten nach Bochum ein Ticket 1000 Kategorie B für ¤ 80,30 zu kaufen. Das hieße, ich zahle gesamt ¤ 193,50 für die gleiche Strecke und darf im Bereich des VRR gerade mal von Dortmund nach Bochum fahren. Alles noch um völlig unflexibel und abhängig von der Bahn, den Bochumer Stadtwerken, der DSW21 und den Hammer Verkehrsbetrieben zu sein.
In einer Milchmädchen-Rechnung habe ich irgendwann rund ¤ 200,- Spritkosten für mit dem Auto verfahrene Pendler-Kilometer überschlagen. Klar, da kommt noch der Unterhalt, Verschleiß und diverse andere Kosten hinzu – aber die Zeit und Flexibilität in der Gestaltung meiner Arbeitszeit, die ich durch den Individualverkehr gewinnen kann, ist mit Geld nicht aufzuwiegen. Es macht schon ein Unterschied, ob ich pro Fahrt (nicht pro Tag) mindestens 90 Minuten mittels ÖPNV für den Weg von Tür zu Tür benötige oder eben nur 45 Minuten (Beides im – eh selten eintretenden – Optimalfall).
Der Trend bei mir geht eigentlich eher zum Luxusgut Individualverkehr – eben allein schon aus Zeitgründen. Ich glaube bei den Preisen wird es wirklich Zeit, sich mal hinzusetzen und die Milchmädchen-Rechnung detailliert aufzudröseln. Wenn man nun noch im Hinterkopf hat, das zum 01. August 2008 VRR als auch VRL (und die Bahn sowieso) die Preise und Tarifsstruktur ändert (Preise vornehmlich nach oben) kann ich durchaus Gesamtkosten von über ¤ 200,- ab August kalkulieren. Alleine die letzte Preiserhöhung für das Monatsticket im VRL letzten August betrug schon über ¤ 5,-, 2008 werden es wohl noch der ein oder andere Euro mehr sein. Die Bahn wird ihre tollen Sonderausgaben natürlich auf DB Regio umwälzen, die wiederum auf die Verkehrverbünde und diese letztlich auf den Kunden. Das ein Ticket 1000 Kategorie B dann nicht bei ¤ 80,- stehen bleibt ist anzunehmen.
Wie ich aber nun den Weg zur Berufsschule bestreite ist mir nach wie vor unklar – ich zahl mit Sicherheit im März kein Monatsticket, wenn ich zwei Wochen im März “Ferien” habe. Aber ich möchte mal sehen, wie ich meinen Lehrern erklären soll, das ich schon um halb sechs aufstehe, um zehn nach sieben in Dortmund bin, mal eben schnell zum Automaten springe, mir ein Ticket Stufe B ziehe (- nech, is klar – ), den nächsten Zug nach Bochum schnappe – vermutlich irgendwann gegen viertel vor acht am Bochumer Hbf ankomme und dann jeden Freitag nochmal zwanzig Minuten bis zur Dépendance brauche. Schulbeginn ist übrigens um halb acht, auch an der Dépendance.