Deutschland – Türkei [EM]
EM 2008, Fußball, Nationalelf
Tags: Deutschland, EM 2008, Fußball, LänderspielMittlerweile hab ich mich durchaus auf Bélà Réthy eingeschossen: Es ist für mich schwer zu begreifen, wie man so schlecht ein Fußballspiel kommentieren kann. Wie grausam Réthy kommentiert, war deutlich zu hören, als er dank dem Bild- äh Stromausfall in Österreich gezwungen wurde radio-like das Geschehen auf dem Platz zu übertragen. Das war völlig emotionslos, selbst wenn die Deutschen mal im Angriff waren und auch dort hat er sich darauf beschränkt das Spiel schlecht zu reden, statt die Aktionen auf dem Platz zu vermitteln.
Irgendwo beim ZDF muß doch noch jemand versteckt sein, der alternativ sich auf den Kommentatoren-Platz setzen kann. Von mir aus kann auch mal Thomas Wark oder Wolf-Dieter Poschmann ran, auch nicht grad besonders schön, aber mal was anderes.
Statistisches
Deutschland:
1 Lehmann (2) – 3 A. Friedrich (2,5), 17 Mertesacker (2,5), 21 Metzelder (3), 16 Lahm (2,5) – 6 Rolfes (4) (46. 8 Frings (3,5)), 15 Hitzlsperger (2) – 7 Schweinsteiger (2), 13 Ballack (4), 20 Podolski(3) – 11 Klose (2) (90. 2 Jansen (-))
Türkei:
Rüstü – Sabri, Gökhan Zan, Mehmet Topal, Hakan – Mehmet Aurelio – Kazim (90. Tümer), Hamit Altintop, Ayhan (81. Mevlüt), Ugur (85. Gökdeniz) – Semih
Tore:
0:1 Ugur (22.)
1:1 Schweinsteiger (26.)
2:1 Klose (79.)
2:2 Semih (86.)
3:2 Lahm (90.)
Gelbe Karten:
- Semih
Zuschauer:
39374 (St. Jakob-Park)
Das Spiel
Einem mäßigen Beginn folgte eine schwache Partie. Das deutsche Team konnte sich in Zweikämpfen nicht in Szene setzen und in Ballbesitz war zu wenig Bewegung wodurch Anspielstationen Mangelware waren. Die Türken standen sehr gut in der Defensive und nahmen so den ganzen Schwung aus dem deutschen Spiel, wie er noch gegen Portugal gezeigt wurde. Im Gegenzug verstanden es die Türken das träge agierende deutsche Mittelfeld geschickt zu überbrücken und so die Abwehrreihen ein ums andere Mal in Verlegenheit zu bringen. Daraus resultierten einige gute Chancen, unter anderem ein Lattentreffer von Kazim ehe nach einem weiteren Lattenschuß Ugur den Ball aus kurzer Distanz zur Führung einschieben konnte. Im Gegenzug konnte Schweinsteiger die Führung umgehend nach dem ersten Angriff überhaupt auf’s türkische Tor ausgleichen. Danach kam das deutsche Team auch besser ins Spiel und wußte den ein oder anderen Angriff vorzutragen. Das hinderte die Türken aber nicht daran ihrerseits brandgefährlich zu kontern, so sah die deutsche Defensive ein ums andere Mal schlecht aus.
Nach der Pause war das Bemühen offensichtlich, der Favoritenrolle endlich gerecht zu werden und die Kontrolle über das Spiel zu erlagen. So war es auch ein Angriff der Deutschen, der zu einer turbulenten Situation wurde. Strafraumnah – oder gar innerhalb des Strafraums wurde Lahm deutlich sichtbar unfair vom Ball getrennt – der schlechte Schiedsrichter Busacca entschied jedoch auf Weiterspielen, was berechtigterweise ein unüberhörbares Pfeiffkonzert von den Rängen zur Folge hatte. Dadurch kam fortan mehr Unruhe ins Spiel. Das deutsche Team überzeugte weiterhin nicht, bekam aber die türkischen Angriffsbemühungen besser in den Griff. Wie immer bei Spielen mit türkischer Beteiligung wurde es erst in den letzten Minuten spannend. Klose legte 11 Minuten vor Schluß zum 2:1 vor. Mit diesem Ergebnis schien sich das deutsche Team arrangieren zu wollen und wurde kurz vor Ende der regulären Spielzeit von den (O-Ton Bélà Réthy) “Last-Minute Türken” wieder eiskalt erwischt. Als sich nahezu jeder schon mit einer Verlängerung abfinden wollte setzte Lahm dem Fußballabend ein jähes Ende und zimmerte den Ball zum 3:2 ins Netz.
Weisheiten
Es war das – zumindest von mir – erwartet schlechte Spiel. Es war durchaus klar, daß Deutschland kein zweites Feuerwerk wie gegen die Portugiesen abbrennen würde und ich hatte durchaus auch ein mulmiges Gefühl, daß das Spiel zu unseren Ungunsten hätte ausgehen können. Mir behagt es nach wie vor nicht, daß Jogi Löw an einer einmal funktionierenden Taktik festhält. So geschehen nach dem Spiel gegen die Polen und jetzt wieder gegen die Türken. Auch wenn wir unser Spiel spielen müssen, so kann eine gewisse Einstellung auf die taktische Ausrichtung des Gegners nicht schaden. Dann würden solche Mängel im Defensivverhalten vermutlich gar nicht erst auftreten. Wie dem auch sei – die Weisheiten treffen auch nach dem Halbfinale zu: “Was zählt, ist unterm Strich” und “Fußball ist ein Spiel, in dem 22 Spieler einem Ball hinterher rennen und am Ende gewinnen die Deutschen“.
Schön wär’s, wenn diese Weisheiten bei der EM weiterhin zutreffen würden. Der kommende Finalgegner wird allerdings wieder ein anderes Kaliber sein als die gestrigen Türken, die aber spielerisch gestern mindestens auf dem gleichen Niveau wie das deutsche Team waren. Immerhin ist man auf der Bergtour nun schon kurz vor dem Gipfelkreuz – man hat das Ziel klar vor Augen, ich hoffe nur, das kein Wetterumschwung kommt und der Aufstieg zur Spitze nun nicht noch abgebrochen werden muß .. (wieviel Euro muß ich nun ins Phrasenschwein zahlen?).
Honk des Tages:
Zum schweizer Schiedsrichter Busacca fehlen mir eigentlich die Worte. In der ersten Halbzeit hat er klar gegen die Deutschen gepfiffen, was dann in der zweiten Hälfte mit einem nicht geahndeten, harten Foulspiel den Höhepunkt erreichte. Ob nun Elfmeter oder nicht, das ist eher zweitrangig, entscheidend ist, daß man das Foul ahndet. Aber Busacca sah noch deutlich öfter über Fouls an deutschen Spielern hinweg, die man dann durchaus getrost als “hart geführte Zweikämpfe” abstempeln kann. Wie schwach der Schiedsrichter war zeigt alleine die Statistik der Karten in einem umkämpften Halbfinalspiel. Jeder andere Schiedsrichter hätte auch Semih nach dessen zweitem, gelbwürdigen Foul vom Platz gestellt. Aber nun gut – das sind Tatsachenentscheidungen, die in Sekundenbruchteilen vollzogen werden müssen .. *blabla* .. Einen Vorteil dürfte sein gestriger Einsatz nun haben: Busacca wird nicht das Finale leiten.
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