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LänderspielErstaunlich ist es schon, dass ich auch das letzte WM-Vorbereitungsspiel verfolgt habe, diesmal sogar völlig freiwillig. Immerhin war der Kommentator auch nicht mein Lieblingsfreund Bélà Réthy. Zumindest etwas Vorfreude auf die WM stellt sich auch bei mir langsam ein. Nur schade, das ich dank Maloche vermutlich kaum Spiele in der Vorrunde verfolgen kann.
Statistisches
Deutschland:
Neuer (2) – Lahm (1,5), Mertesacker (2,5), A. Friedrich (2) (86. Tasci (-)), Badstuber (2) – Khedira (1,5), Schweinsteiger (1) (87. Kroos (-)) – Trochowski (5,5) (46. T. Müller (2)), Özil (2,5) (80. Gomez (-)), Podolski (2) (70. Marin (2)) – Klose (5,5) (46. Cacau (2))
Bosnien-Herzegowina
Hasagic – Mravac (45. Ibricic), Nadarevic, Spahic, Jahic – Rahimic – Pjanic, Salihovic (78. Berberovic) – Ibisevic (74. Zec) – Misimovic (80. Muslimovic) – Dzeko
Tore:
0:1 (15.) Dzeko
1:1 (50.) Lahm
2:1 (73.) Schweinsteiger (FE)
3:1 (77.) Schweinsteiger (FE)
Gelbe Karten:
– Spahic
Zuschauer:
48000 – Commerzbank-Arena
Das Spiel
Ganz ehrlich, was – bis auf wenige Ausnahmen (Podolski, Khedira) – die Nationalmannschaft in den ersten 30 Minuten gemacht hat, warf bei mir die Frage auf: Wollten sie nicht laufen, weil es nur ein Freundschaftsspiel war, oder konnten sie nicht laufen, weil sie noch kaputt vom Training waren. Alles in allem war das Standfußball auf denkbar schlechtem Niveau. Kaum jemand hat sich mal mehr als drei Schritte bewegt und so war es – außer einem schicken Schuß von Poldi – nicht verwunderlich, dass die Bosnier beim schnellen Umschalten von Defensive auf Offensive ein ums andere Mal die Deutschen überrannten und durchaus gefährliche Situationen hatten. Ob das 0:1 nun “unglücklich” fiel, wie *seufz* Steffen Simon meinte, es war zumindest zu dem Zeitpunkt verdient. Erst gegen Ende der ersten Halbzeit wurden die Aktionen zwingender, man bewegte sich und sah das ein oder andere hoffnungsvolle Kurzpass-Spiel aufblitzen. Nur ohne Sturm, bzw. mit einem Stürmer, der sich derzeit weit von einer Topform entfernt befindet, passiert eben nicht viel vorm gegnerischen Tor.
Nach der Halbzeit kam Deutschland völlig verwandelt aus der Kabine – ob der Franz in der Pause den Jungs gesagt hat: “Gehts raus und spuilts Fußball” bleibt nur eine Vermutung. Aber das Spiel war weniger statisch und es war sicher das denkbar Beste, das es gerade Lahm war, der sich anscheinend einfach mal gesagt hat: Wenn vorne keiner treffen will mach ich’s eben selber. Alles in allem war das Spiel der Deutschen recht ansehnlich und mit Müller und Cacau war auf jeden Fall mehr Spielfreude auf dem Platz. Dass das Spiel letztlich durch diverse Elfmeter entschieden wurde, die allesamt berechtigt waren und die Bosnier mit 2 Foulelfmeter sogar noch recht gut bedient waren, trübt zwar etwas den guten Eindruck der zweiten Hälfte, aber übte zumindest für die nächsten Partien in der Finalrunde gegen England und Argentinien.
Weisheiten
Fangen wir mit den zwei Spielern an, die – in meinen Augen – ihre Chance auf einen Platz in der WM-Startformation nun verspielt haben. Klose ist eine tragische Figur in diesem Spiel, aber es ändert nichts daran, das derzeit andere Stürmer, selbst ein Podolski, deutlich besser in Form sind und, ganz wichtig, auch das Selbstbewußtsein besitzen und das Tor treffen. Vermutlich wird man aber in entscheidenden Spielen Klose noch als Joker auf dem Feld sehen. Hingegen sollte, dürfte, ja müsste eigentlich Piotr Trochowski kein Bein mehr an den Boden kriegen. Das Trochowski technisch beschlagen ist, kann man nicht abstreiten, aber er wirkt wie ein Fremdkörper im Team und gerade rechts-außen kann die Bayern-Achse mit Müller und blindem Verständnis nur die einzig richtige Lösung für die WM sein. Für mich ist Trochowski irgendwie der Odonkor der WM 2010. Mag sein, das genau er gegen Ghana in der 93. Minute die entscheidende Flanke auf Kießling schlägt, die uns als Gruppensieger ins Achtelfinale einziehen läßt – nur im Augenblick glaub ich nicht dran.
Die anderen Spieler – sogar der von mir nicht grad sonderlich geliebte Arne Friedrich – machen durchaus Mut. Nach wie vor bin ich der Ansicht, das die technische und taktische Qualität beim Großteil der Spieler gegeben ist. Ob das alleine aber auch für eine erfolgreiche WM ausreicht, wird sich wohl erst noch zeigen. Die Durchschlagskraft vermisse ich noch etwas, da auch Özil ein wenig neben sich steht, wenngleich er gestern einige gute Szenen hatte. Eigentlich bleibt nach den zwei Vorbereitungsspielen nur noch eine Position offen: Die des Linksverteidigers, diese Rolle hat Badstuber gestern unscheinbar, aber recht souverän ausgefüllt. Vermutlich wird aber Boateng dort die Nase noch vorn haben. Von daher lege ich mich einfach mal fest, das die Startformation gegen Australien wie folgt ausschaut:
Neuer – Lahm, Mertesacker, A. Friedrich, J. Boateng – Khedira, Schweinsteiger – T. Müller, Özil, Podolski – Cacau
Honk des Tages
Naja, wenn es nicht viel zu meckern gibt, meckert man einfach mal über den Schiedsrichter. Der war nämlich bei einigen Situationen nicht ganz im Bilde. Schade um die nicht gegebenen Elfmeter. Aber nun ja, war halt “nur” ‘n Freundschaftsspiel.