Tags: Deutschland, Fußball, Länderspiel, WM 2010Wieder einmal hatte ich ein Grummeln in der Magengegend. Auch wenn Spanien keinen grandioses Fußballfest in den bisherigen Spielen abgebrannt hat standen sie offensichtlich nicht zu unrecht im Halbfinale. 29 Siege aus den vergangenen 31 Spielen sprechen für sich. Das Spanien dabei gegen die Schweiz immernoch das klar bessere Team war, wurde von vielen Optimisten immer gerne unter den Tisch gekehrt. Es war jedenfalls von vornherein klar, das es ein anderes Spiel werden würde, als es gegen England oder Argentinien war.
Statistisches
Deutschland:
Neuer (2) – Lahm (1,5), Mertesacker (1), A. Friedrich (1,5), Boateng (3,5) (52. Jansen (1,5)) – Khedira (3,5) (81. Gomez (-)), Schweinsteiger (1) – Trochowski (4) (62. Kroos (2)), Özil (4,5), Podolski (3,5) – Klose (4)
Spanien:
Casillas – Sergio Ramos, Piqué, Puyol, Capdevila – Busquets, Xabi Alonso – Iniesta, Xavi, Pedro – Villa
Tore:
0:1 (73.) Puyol
Gelbe Karten:
Fehlanzeige
Zuschauer:
60960 – Moses Mabhida
Das Spiel
Nervös und mit tiefem Respekt begann das deutsche Team die Partie. Spanien spielte, was es immer spielt: Souveränes Kurzpassspiel. Das Ball zirkulierte in den eigenen Reihen. Demgegenüber stand eine bemerkenswert konzentrierte Defensivleistung der Deutschen. Bis auf eine “Chance“, wenn man es überhaupt so nennen will, rannten die Spanier gegen einen tief stehenden Deckungsverbund an. Immer wieder und immer wieder wurden sie sauber und abgeklärt vom Ball getrennt und rannten wieder an, und wieder .. und wieder. Und hatten keine Chance ihre wirkungsvollen Pässe zu spielen. Aber Deutschland brannt im Gegenzug nun überhaupt kein Feuerwerk ab. Erst nach knapp 30 Minuten sah man den ersten vorsichtigen Vorstoß über die Mittellinie. Ab da ging’s wie gewohnt schnell – nur generell zu unpräzise. Für Taktikfüchse war das vermutlich eine spannende Hälfte mit Rasenschach auf hohem Niveau, in dem sich die Teams irgendwo im Niemandsland der deutschen Hälfte neutralisierten.
Unmverändert das Bild nach dem Pausentee. Erst als mit Jansen etwas mehr Druck über links ins deutsche Spiel kam, ging es hin und her. Deutschland probierte hin und wieder was, ohne die Defensive wirklich aufzugeben. Bot dadurch aber Spanien Platz für schnelle Gegenstöße die aber unsäglich wieder im Nirgendwo verpufften. Alle 5 Minuten schreckte auf beiden Seiten eine Kombination auf, im Abschluss waren beide Teams aber weit von ihrer Normalform entfernt. Bis dann auf einmal Kroos vor Casillas auftauchte. Den hätte man versenken müssen. Und wie das immer so ist, kleine Fehler bestraft der liebe Gott sofort: Kollektiver Tiefschlaf in der Defensive bei einer spanischen Standardsituation – im übrigen der einzige wirkliche Fehler in der Verteidigung – öffnete Puyol Tür und Tor zum Finale. Hätte Pedro nicht dermaßen neben sich gestanden und eine aussichtsreiche Überzahlsituation lächerlich leichtsinnig vertändelt wäre das Spiel vermutlich kurz darauf entschieden gewesen. So konnte Deutschland nochmal ein paar Minuten hohe Bälle auf abtauchende Stürmer spielen ohne letztlich Druck aufzubauen zu können.
Weisheiten
Das es schwer werden würde war klar. Das Deutschland kein weiteres Feuerwerk abbrennen konnte war auch zu erwarten. Ganz anders als in die vorherigen Partien ging Deutschland in dieses Spiel – anscheinend hatte man etwas zu verlieren. Der Druck war wieder da, nur diesmal war der Respekt vor dem Gegner noch größer, als der eigentliche Druck. Klar, Defensiv war es für mich die wohl beste Tunierleistung – aber dabei fehlte die Sicherheit und der Zug zum spanischen Tor.
Rund 60 Minuten hatte man die Spaniere agieren lassen. Versuchte nur, das Spiel zu zerstören ohne selbst ein Spiel zu kreiieren. Wer dann nur noch 30 Minuten hat, um sich ins Finale zu spielen braucht sich nicht wundern, das es nicht so einfach klappt gegen ein Team wie Spanien.
Die indes, zwar toll den Ball laufen liesen, aber mit was für einem Resultat? Chancen brachte auch Spanien aus den Zuspielen kaum zustande. Ein Kopfball in Halbzeit eins, drei, vier verzweifelte Schüsse aus der zweiten Reihe in Halbzeit zwei die rund 5-10 Meter neben das Tor gingen und das gnädige Geschenk zum 1:0.
Aber so ist das wohl, wenn zwei qualitativ hochwertige Teams mit der gleichen Ausrichtung aufeinander treffen: Bloß keinen Fehler machen, der Gegner besitzt die Qualität bei einem einzigen Vorstoß eiskalt zuzuschlagen. Was auch auf Seiten Deutschlands mit Kroos fast geklappt hätte.
Wer – wie viele auf Twitter am gestrigen Abend noch – dieses Spiel als Grottenkick und schlechte Leistung beschreibt, der hat – mit Verlaub – keine Ahnung. Schlecht, grottig, das sind Attribute, die auf die Leistung der Franzosen oder Italiener zutreffen. Aber das war definitiv zu gut um als so schlecht abgekanzelt zu werden. Nur, wie das eben so ist (€ 5,- ins Phrasenschwein): Wenn man nicht den Ball hat, kann man auch keine Tore schießen. Dazu war das Team einfach zu ängstlich.
Nichts desto trotz, bisher eine recht erfolgreiche WM für die Mannschaft. Ganz ehrlich, grade nach der Gruppenphase hatte ich durchaus bedenken und war im Vorfeld mit einem Einzug ins Viertelfinale schon zufrieden zu stellen. Da hätte vermutlich auch niemand wirklich drauf getippt, das Spiel zu locker zu überstehen. Immerhin wird dieses Jahr zumindest mal ‘ne Mannschaft Weltmeister, die es auch einigermaßen verdient haben wird – und ich hoffe da doch sehr darauf, dass es Spanien wird. Das Spiel um Platz 3 ist wie immer nettes Austraben nach vierwöchigem Schaulaufen, aber sollte mit dem nötigen Ernst angegangen werden. Auch Uruguay muss man erstmal schlagen, wenngleich ich dem Spiel deutlich optimistischer entgegenfiebere als den Spielen gegen Spanien oder Argentinien.
Honk des Tages:
Nicht nur Bélà Réthy kann viel Kappes erzählen. Tom Bartels steht dem in nichts nach. Ein Kommentator, der zwischen Hohn und Verachtung und überschwenglicher Jubelperserei von einem Extrem ins andere kippen kann. Je nachdem, wie schlecht oder engagiert das Team spielt. Nervt halt bei der Übertragung.


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