SierraXTC am 12.07.10 um 15:37 Uhr

Senk ju vor träwelling (XXXV)

Geschwafel

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Nein – ich bin, dank Urlaub und Individualverkehr von dem Bahn-Chaos der vergangenen 48 Stunden verschont geblieben. Dennoch verfolge ich mit gewissem Erstaunen die Geschehnisse auf Twitter. Sei es nun die Überhitzung von Fernverkehrszügen durch den Ausfall der Klimaanlage oder die Streckensperrungen auf Grund von Oberleitungsschäden in NRW.

Am meisten erstaunt mich, das es anscheinend viele Bahnfahrer immernoch erstaunt, was sie dort erleben. Ich hörte schon vor mehreren Wochen von defekten Klimaanlagen in ICEs. Die ganze Katastrophe ist nicht neu, sie wird regelmäßig vom Logistiker unseres Vertrauens herauf beschworen. Hilft nur leider niemandem wirklich, das man es weiß. Abhilfe gibt es nicht.

Dem Personal – auch wenn das gerne von Reisenden angegiftet wird – ist nunmal nicht das passende Ventil für den eigenen Frust. Auch wenn diejenigen schon oft falsche Entscheidungen getroffen haben. Aber die Ursachen für dieses Chaos, welches man nicht nur im Winter und im Sommer erlebt, nein auch in Frühjahr und Herbst, werden durch den Bahnvorstand entschieden.

So sind nach wie vor Prestigeprojekte deutlich wichtiger, als das zahlende Massenvieh einigermaßen souverän von A nach B zu bringen. Bahn fahren ist schon verhältnismäßig Teuer, nur werden diese Einnahmen falsch im Unternehmen umverteilt. Mangelhafte Wartung und ein in Teilen zu kleiner Fuhrpark sind das Ergebnis dieser Politik.

Wer meine Tiraden in den vergangenen Jahren verfolgt hat oder einfach mal ein wenig im Netz gesucht hat, wird langsam auch einsehen, das solche Situationen keine Ausnahmen und Einzelfälle sind, wie die Pressestelle der Bahn regelmäßig versucht zu beschwichtigen. Die einzige Rettung ist die Flucht in den Sarkasmus. Anders kann man diesen Zustand nicht in schöner Regelmäßigkeit ertragen.

Leider wird sich aber nichts ändern – wie auch? Weil über Jahre bei der Infrastruktur geschludert und gespart wurde reicht es nunmal nicht aus – selbst wenn Geld von irgendwoher kommen können würde – nun dort rasch zu investieren. Das sind alles nur Tropfen auf den – im Moment besonders – heißen Stein. In dem Unternehmen, insbesondere da, wo es darum geht, Finanzen entsprechend zu verwalten, müsste ein Umdenken stattfinden. Aber das ist in einem “privatisierten Staatskonzern”, der dringend an die Börse möchte, nicht möglich.

Ich hoffe, die bei diesen Temperaturen irgendwo in NRW festsitzenden Reisen kommen trotzdem noch irgendwann und irgendwie an ihr Ziel. Und an alle Pendler: Morgen geht’s wieder von vorne los – wie immer …

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