
Tags:
Fußball,
Köln
|
|
Es juckt mir schon länger in den Fingern mich zu dem Transfer-Gebrabbel rund um Lukas Podolski zu äußern. Eigentlich bereits schon seit den Gerüchten um einen möglichen Transfer zu Galatasaray Istanbul im Sommer vor Abschluss der Transferperiode. Die Situation, dass solche Gerüchte brodeln liegen auf der Hand: Der FC ist von den Vorstellungen, mit denen man seinerzeit noch unter Michael Meier und Wolfgang Overath in Verbindung mit Christoph Daum den Spieler zurück holen konnte weit entfernt. |
Irgendwann innerhalb dieses Grundrauschen rund um seine Person kommunizierte Poldi eben über die Diskrepanz zwischen den Luftschlössern, die seinerzeit von den Verantwortlichen gebaut wurden und der Realität seine Unzufriedenheit. Kann er machen – hätte er nicht machen brauchen, denn zu dem Zeitpunkt hielt ich diese Provokation gegenüber dem Verein für völlig aus der Luft gegriffen.
“Als der FC mich zurückholte, wurde mir gesagt: Am Anfang wollen wir die Liga halten, dann gute Transfers tätigen, um eine Mannschaft aufzubauen, die eine Zukunft hat. Die in drei bis vier Jahren auch mal um die internationalen Plätze spielen kann. Doch diese Entwicklung sehe ich nicht. Wir spielen wieder gegen den Abstieg”
Da frag ich mich nur, was hat Poldi eigentlich in den vergangenen Jahren im Umfeld nicht mitbekommen? Der Aspekt, dass sein Transfer – meinem Kenntnisstand nach – zum größten Teil durch Mäzen Franz Josef Wernze finanziert wurde? Oder hat er vergessen, dass unter der Amtszeit von Michael Meier der Schuldenstand vergrößert statt verkleinert wurde? Die Aussage von Poldi war einfach deplatziert, zumal seit Ende 2010 unter der nun neuen sportlichen Führung eine deutliche Abkehr von den typisch-kölschen Luftschlössern erkennbar ist.
Diese Aspekte sprechen auf den ersten Blick dennoch für Podolski – er spielt zurzeit eine der besten Spielzeiten seiner Profi-Laufbahn und kann – ja, wenn nicht sogar muss – als fast 100-facher Nationalspieler auch selbst zusehen, dass er in absehbarer Zeit auch im Vereinsfußball zu nennenswerten Erfolgen kommt. Dazu ist er mit 26 Jahren im besten Fußballer-Alter und steht kurz vor seiner dritten EM-Teilnahme. Das weiß Podolski auch augenblicklich selber, wodurch er schelmisch diverse Kommentare zu Wechselgerüchten, Angeboten anderer Vereine oder seine eigene Leistung kommentieren kann.
“Dann muss ich eben in der 2. Mannschaft spielen oder setze mich auf die Tribüne”
Also geht er? Auf diese Antwort kann höchstens er selbst eine Antwort geben. Ich mutmaße jedoch mal, dass er bleibt – zumindest bis zum Ende der Saison 2011/2012. Das dürfte recht naheliegend sein: Podolskis großes nächste Ziel ist die kommende EM. Ärgerlicherweise möchten die Medien einen Zweikampf um den Platz Linksaußen in der Nationalmannschaft hochkocheln. Sicherlich ist André Schürrle talentiert und kann Podolski ein wenig kitzeln. Aber die Fakten in der aktuellen Saison sprechen klar für Poldi – bspw. Tore, Torvorlagen oder der Notenschnitt bei kicker.
Warum sollte Podolski also kurz vor der EM in ein Team wechseln, bei dem er erst in die Struktur hinein wachsen muss, ggfs. sogar zunächst noch auf der Bank Platz nehmen muss. Eventuell sich sogar zeitweise aus den Augen vom Nationaltrainer spielt. So schlau wird Podolski wohl selber sein. Also kann er sich gelegentlich in einem – nun ja durchschnittlichen Team – durch herausragende Leistungen weiter in den Vordergrund spielen und seinen Marktwert weiter ausbauen.
“Horst Heldt sagte, dass man weder den Verein noch den Spieler kontaktiert habe. Deswegen sollte das man nicht so ernst nehmen. Hauptsache man bleibt im Gespräch.”
Nehmen wir an, Podolski wird seinen Vertrag beim FC nicht verlängern und unter den gegebenen Umständen nach der EM den Verein verlassen. Wer profitiert davon? Klar, Podolski selber. Der FC? Mitnichten! Die Transferrechte liegen – meinem Kenntnisstand nach – bei Wernze und nicht beim Verein. Dadurch bekommt der FC nicht mehr Geld zum Schuldenabbau, geschweige denn, dass sich der Verein durch die Einnahmen personell verstärken kann.
Aber wenn: Wohin könnte Podolski wechseln? Wohl nicht in die Türkei – nichts für Ungut, aber die Tendenz dort die erhofften Erfolge im Vereinsfußball zu erzielen dürfte eher gering sein. Auch nach Lokomotive Moskau dürfte Podolski nicht wechseln: Ums große Geld muss es ihm nicht gehen, denn er ist in der Nationalmannschaft noch lange nicht außen vor und ein Weg à la Kuranyi erscheint unter diesen Gegebenheiten nicht sinnvoll. Zuletzt brachte sich der FC Schalke selbst ins Gespräch. Ein übliches Unterfangen in solchen Situationen, aber auch da halte ich es eher wie Solbakken:
“Lukas kann in jeder Mannschaft dieser Welt spielen. Er spielt das beste halbe Jahr seiner Karriere. Er kann auf jeden Fall in einem besseren Verein als Schalke 04 spielen”
Natürlich, völlig abwegig ist es sicher nicht: Aber – auch Schalke fehlt Geld – und Schalke hat im Offensivbereich derzeit noch ein Überangebot an hochklassigen Spielern. Sollte Schalke Farfán für einen Podolski-Transfer abgeben und evtl. auch Rául, dann geht S04 – wenngleich der Kader besser besetzt ist als der vom FC – dennoch einiges an Klasse ab. Auch der Drops Dortmund dürfte gelutscht sein:
“Das sind ja reizende Aussagen von Herrn Klopp. Vielleicht ist er etwas traurig, weil ich ihm schon zweimal abgesagt habe.” (..) “Andererseits hat er aber auch Recht: Ich bin dem BVB tatsächlich zu teuer, weil ja nun die Champions-League-Einnahmen fehlen. Wo sie doch als Gruppenletzter ausgeschieden sind, kann ich verstehen, dass sich das nicht lohnt…”
Unterm Strich bleiben da nicht mehr viele Bundesligisten, die den eigenen Ansprüchen von Podolski genügen und die auch finanziell solch einen Transfer stemmen können. Realistischer erscheint derzeit daher ein Wechsel ins Ausland.
So dürfen sich die Medien weiterhin auf unterhaltsame Schlagzeilen, basierend rein auf Gerüchten, freuen. Das Theater geht also weiter – und es wird auch nicht beendet sein, sollte – wieder erwarten – Podolski im Winter den Vertrag verlängern. Die Situation in Köln wird schwer in kurzer Zeit so zu verändern sein, dass sie den Erwartungen Podolskis entspricht.
Ett hätt noch immer joot jejange
Abwarten, Tee trinken. Das ist das typische Geschäft der Medien mit dem Produkt Fussball. An dieser Stelle kann man noch ein gutes Dutzend Phrasen einwerfen, unterm Strich ist das, was zählt. Als FC-Fan ist klar, was man sich wünscht, aber das ein Spieler, der sich aktuell in einer Top-Verfassung befindet, Begehrlichkeiten weckt bleibt ebenso nicht aus. Freuen wir uns also auf weitere Akte im Drama “Podolski“.