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| Eine neue Sau muss mal wieder durch’s Dorf getrieben werden. Unter dem Deckmantel der “Anonymität” in Blogkommentaren echauffieren sich Blogger darüber, das doch so ein Internet-Pranger, wie ihn der Niggemeier da geschaffen hat ja mal gar nicht geht. Huch, was ist denn da passiert? Was steht da auf den Klowänden des Internets? |
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Da hat sich also jemand die Mühe gemacht, seine – anscheind so zu titulierende – Privatfehde zu dokumentieren und denjenigen, der sein Blog in den Kommentaren besudelt hat öffentlich zu denunzieren. Ich würd drauf wetten, dass sowas in jedem 08/15-Katzencontent-Blog alle Nase lang passiert. Kräht vermutlich kein Hahn nach – erst wenn es sich um eine Person des öffentlichen Interesses dreht wirds anscheinend böse. Dabei ist das “öffentlich wirksame auflaufen lassen von Trollen” so alt wie das Usenet.
Nun wird also jemandem das Recht auf Anonymität zugestanden. Das gibt’s? Ganz ehrlich, die rechtliche Grundlage im Netz wird mir zunehmend suspekter und immer heikler. Ich blick’s nicht mehr, aber da ist es ja ganz gut, das es die Blogosphäre gibt, die könnte ja aufklären. Ein Pseudonym und eine Fake-Email-Adresse (wobei es ja eine reale Mail-Adresse war) ist aber noch lange keine “Anonymität“. Darüber müsste sich eigentlich jeder halbwegs Bloginteressierte bewußt sein. Wär ja noch schöner, was soll denn Schäuble oder Zensursula denken, wenn wir unter dem Deckmantel der Anonymität im Internet einen rechtsfreien Raum gestalten könnten.
Im Ernst: Anonymität und damit ein potentielles Recht darauf unerkannt sich im Netz bewegen zu können erscheint mir – ohne die notwendige Erfahrung sich selbst mit allem Aufwand so anonym wie nur eben möglich zu geben – schwer vorstellbar. Also auf der Schiene kann man nun wirklich nicht kommen.
Bleibt also eigentlich nur der Schluß, das sich da jemand etwas sehr trottelig angestellt hat. Kann man machen, kommt aber immer irgendwie blöd, wenn’s auffällt. Und nun mal bitte Butter bei die Fische: Wer in seinem Admin-Panel unter den Kommentaren die gleiche Email-Adresse mit verschiedenen Pseudonymen findet wird doch wohl selber stutzig und sich ein Stück weit verhohnepiepelt vorkommen. Da zeig mir einer dieser grade aufschreienden – ja, das schreib ich grad wirklich: – Blogwarte, wer da nicht anfängt, sich mit diesem Störenfried zu beschäftigen? Sollte man in Hinblick auf die eher heikle gesetzliche Grundlage vielleicht mal einen Blick drauf werfen.
Ist es dann noch jemand, mit dem man sich eh schon gerne käbbelt, dann jucken die Finger bestimmt wie die Wutz. Der Online-Pranger ist aber nunmal so alt wie das Netz selber. Da dürfte es wohl einigen ganz schön die Schamesröte ins Gesicht treiben, wenn sie alte Usegroups lesen würden. Ja mei, klar ist es kindisch sich dann zu einer deftigen Retourkutsche zu entscheiden – liegt aber oftmals in der Natur des Menschen. Der eine macht’s und fühlt sich danach toll, bis der Shitstorm über einen hinüber zieht.
Dann aber die moralische Keule zu schwingen, von Pseudo-Anonymität zu schwafeln, Datenauswertung anzugreifen und zum vernünftigen Umgang aufzurufen halte ich für vermessen. Das, was dort grade passiert ist ein kleiner Pups im Universum. Jeder zweite Mensch im “öffentlichen Interesse” macht den Knicks, redet sich raus mit “ich war uninformiert, wie das läuft” und taucht 6 Monate später an anderer Stelle wieder auf, als wär nichts gewesen.
Und genau das ist – wie ich persönlich empfinde – das Problem der deutschen Blogosphäre. Graswurzeljournalismus at it’s best. Einfach mal direkt losbrüllen und den Shitstorm starten. Das machen die meisten genau so lange, bis sie selbst der Shitstorm trifft. Dann wird auch der beliebigste A-Blogger ruhiger. Mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf andere Blogger zu zeigen scheint in letzter Zeit wieder enorm zu zunehmen. So gedeiht definitiv keine langfristige, potentielle Online-Kultur via Blog, Twitter und Facebook.
Nicht falsch verstehen: Was der Stefan da gemacht hat ist genauso kindisch, wie sich als Pseudo-Anonymer in Blog-Kommentaren zu trollen. Es verläßt die Stufe des Lächerlichen, wenn wegen so etwas eine Sau durch ganz Klein-Bloggersdorf getrieben wird.