Senk ju vor träwelling (XXXVIII)
Geschwafel
Tags: Bahn, seufz, WinterAus mir bisweilen noch unerklärlichen Gründen steht mir mein Auto im Moment nicht zur Verfügung. Dies soll hier aber ausnahmsweise nicht das Thema sein – dazu vielleicht (oder eher: ganz sicher) später einmal mehr. So blieb mir nichts anderes übrig, als auf die Dienste meines so hoch verehrten ÖPNV zurück zu greifen. Aus diesen leidgeprüften Erfahrungen habe ich mich seinerzeit bekanntlich auch für das Luxusgut Individualverkehr entschieden. Mir schwante daher bereits gestern Abend schon Böses – immerhin ist Winter, ist ja bekanntlich nicht so das Ding von der Bahn.
Um einigermaßen zeitig auf der Maloche zu sein hieß es daher: Der frühe Vogel friert sich den Arsch ab. Halb sechs – früher an der Tagesordnung, heute gefühlt mitten in der Nacht – ging’s raus, nur um sich dann ab kurz nach sechs bei -14°C an der Bushaltestelle mit Cooper, Julia und Dieter anzufreunden. Ich musste feststellen: Sind wohl nicht so nette Zeitgenossen.
Als Pendler im Nahverkehr verfällt man öfter in höchst unsinnige Verhaltensmuster – zum Beispiel die regelmäßige Abfrage der Bahn App. Das Ergebnis ist immer das Gleiche: Gesichtspalmierung.
Gut – man muss es DB Regio zu Gute halten: Es waren letztendlich nur 7 Minuten Verspätung. Was das bei einem Zeitfenster von 8 Minuten für Auswirkungen hat braucht man wohl nicht näher erläutern. Aber auch hier: Kein Thema!
Statt die Rückleuchten einer vor meiner Nase abfahrenden S1 zu sehen hörte ich die geradezu erleichternde Durchsage, dass die S1 ohne Halt bis Bochum Hbf. fährt. Naja, irgendwo zwischen Dortmund Hbf. und Bochum Hbf. wär ich indes schon gerne ausgestiegen. Immerhin wollt ich keinen Stadtbummel machen sondern zur Arbeit.
Soll ich erwähnen, dass die Idee, statt dessen die nächste S2 nehmen zu wollen eine Schnappsidee war? Ach ja, Gründe? Gründe dafür, dass sowohl die S1 ohne Halt durch Dortmund rauscht und die S2 erst in Mengede einen Stopp einlegt? Naja, bastelt Euch aus “Winter“, “Frost” und “Weiche” selbst was Schlaues.
So kann ich geradezu euphorisch verkünden, dass das urbane Leben ja echt phantastisch ist: Es gibt durchaus genug Alternativen zum Schienenverkehr der Bahn. Und im Gegensatz zur Bahn klappt bei der DSW21 auch vieles besser. Zum Beispiel: Winter! Nur, dass es eben etwas länger dauert, wenn man sich im Berufsverkehr durch den Dortmunder Untergrund bis in die Außenbezirke schlagen muss. Statt ‘ner guten Viertelstunde dauerts dann halt mal 40 Minuten bei zweimaligem Umsteigen – Dortmund ist halt metropolesk.
Aber was beschwer ich mich? Ich bin für den Schnapp von €8,50 – so günstig ist die verbundübergreifende Verbindung mittlerweile für eine Fahrt – innerhalb von 105 Minuten von A nach B gekommen. Dabei konnte ich zweimal Bus fahren, zweimal U-Bahn fahren und einmal mit einem tollen, doppelstöckigen Zug mitfahren. Ist doch Service!
Das es auch anders geht zeigte die Rückfahrt: Perfekte Anbindung – in geradezu rekordverdächtigen 65 Minuten war ich zu Hause. Mal von der Schulklasse im RE6 abgesehn war das im weitesten Sinne entspannend. Im sehr weit gefassten Sinne. Trotzdem versteh ich nicht wirklich, warum es im VRR nicht möglich ist, über den eigenen Verkehrsverbund hinaus gültige Fahrkarten zu erstehen. Unterschwellig ruft ein kleines Männchen in meinem Kopf unentweg ein böses Wort.
Aber unterm Strich bleiben eben die negativen Erfahrungen nachhaltig hängen: Eine Werbung, sein Auto in der Ecke stehen zu lassen und auf den Nahverkehr umzuschwenken war das wieder einmal nicht. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist einfach unterirdisch. Man kann ja mal auf Bus & Bahn zurück greifen, aber die Knalltüten, die im feinsten Werbejargon von “entspanntem Reisen” quatschen, die sind vermutlich selbst noch nie mitgefahren. Ich freu mich jedenfalls darauf, wenn wieder mein Auto vor der Tür steht. In diesem Sinne hab ich mir auch eine erneute Tortour mit den Öffentlichen für morgen geschenkt – ich muss mich noch von heute erholen.








